New York - Ende der 90er-Jahre war die Entscheidung zwischen Christina Aguilera und Britney Spears für einige wie die Frage, ob man Cola oder Pepsi bevorzuge. Die beiden dominierten die weltweiten Charts und ebneten den Weg für die Teenie-Stars der Gegenwart. Am Freitag (18. Dezember) wird Aguilera nun 40 – die Kultjahre sind lang vorbei, doch das ist ihr gerade recht.

„Genie in a bottle“ hieß der Song, in dem Aguilera 1999 die unschuldige amerikanische Vorstadt-Schönheit gab, die nur darauf wartet, erobert zu werden. In „What a girl wants“ rief sie die Jungs dann zur Zurückhaltung auf. „Ich habe nur geschaut und nicht angefasst, weil in meinem Herzen ein Bild von uns war: Händchen haltend, Pläne schmiedend. Und ich habe Glück, dass du das verstehst“, sang sie.

Ihr erster großer Hit: Christina Aguilera.

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Die perfekt produzierten Popsongs machten Aguilera mit ihrer mächtigen Stimme zum Weltstar – zuvor kannten Fernsehzuschauer sie aber schon als Moderatorin des „Mickey Mouse Clubs“. 1993 war sie 13 Jahre alt und stand neben – eben dieser – Britney Spears oder Justin Timberlake vor der Kamera.

Doch nach ihrem Durchbruch gab Aguilera ihr Image als braves Pop-Mädchen bald auf und trennte sich von ihrem Manager, zeigte sich im „Moulin Rouge“-Titelsong „Lady Marmalade“ und ihrem Album „Stripped“ deutlich freizügiger. Vor allem Text und Video zum Lied „Dirrty“ definierten in der Folge, wie weit die Musik-Industrie es mit übersexualisierten Gruppensex-Anspielungen vor knapp 20 Jahren im prüden Amerika treiben konnte. Mit „Beautiful“ dagegen landete Aguilera eine Hymne der Selbstliebe auch in der LGBTQ-Community – Jahre, bevor Inklusion zum Zeitgeist gehörte.

Die vielfache Grammy-Gewinnerin genoss ihr neues, freizügiges Image. Zuletzt bezeichnete sie sich in mehreren Interviews mit Blick auf ihre ersten Jahre im Musikgeschäft als „Puppe“ der Industrie und beschrieb die Zeit danach als Phase, in der sie die Sachen verstärkt selbst in die Hand genommen habe. Sie posierte mehrmals halbnackt vor Kameras und küsste bei den MTV Video Music Awards 2003 Madonna. Ein kalkulierter Skandal.

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Laszive Freude: Sängerin Christina Aguilera 2004 bei den Grammy Awards.

In einem Interview mit der London Times vor gut einem Jahr sprach Aguilera darüber, was für eine Belastung die männerdominierte Musikbranche für sie damals dargestellt habe. Auf die Frage im Licht der MeToo-Bewegung, ob es für sie jemals gefährlich geworden sei, antwortete sie: „Ich habe einige Namen, die ich nicht nennen oder auf die ich nicht eingehen werde.“ Sie habe definitiv mehr als genug Erfahrungen in dieser Richtung machen müssen.

Mittlerweile ist Aguilera zweifache Mutter und in die nächste, ruhigere Phase ihrer dahinplätschernden Karriere eingetreten. 2018 kam mit „Liberation“ ihr erstes Album seit sechs Jahren auf den Markt. Sie betont dabei ihre Unabhängigkeit als Frau in der Gesellschaft. Ein großer Erfolg wurde die Platte nicht. Daneben machte Aguilera einige Male Ausflüge in die Schauspielerei und war Jurorin bei der Castingshow „The Voice“.

Die turbulenten Welttournee-Zeiten sind vorbei, als Teenie-Idol werden längst andere bezeichnet. Doch Labels mag sie eh nicht mehr übergestülpt bekommen. Den Titel der „Pop-Diva“ dürfte sie trotzdem behalten. (dpa)