Das ehemalige Dieselkraftwerk am Cottbuser Amtsteich, einer der beiden Standorte des Brandenburgischen Landesmuseums. Der zweite Standort ist Frankfurt (Oder).
Foto: Brandenburgisches Landesmuseum

Cottbus und Frankfurt(Oder)Den 1. Mai-Feiertag bieten  die Ausstellungshäuser des Brandenburgischen Landesmuseums in unserem Nachbarland als Museumstag an. Selbstredend mit den gehörigen Abstands-Regeln. Wenn man so will, ist dies eine geistvolle Alternative für die sonstigen gewohnten und beliebten Volksfeste, Demos, Grillpartys und fröhlichen Umtrunke am „Tag der Arbeit“.

„Neue Besuchsformate“, das ist der Begriff dieser Tage in den brandenburgischen Ausstellungshäusern. Sie laden zum – wohlgemerkt – disziplinierten Kunst-Ausflug, nicht etwa zu einem Massenereignis.  Landesmuseums-Direktorin Ulrike Kremeier betont, Kunst habe in schwierigen, so noch nie dagewesenen  Zeiten wie diesen, in denen die ganze Welt von der Corona-Pandemie heimgesucht wird, keine Handlungsanweisungen oder gar Lösungen parat. Aber sie biete an, neue Möglichkeiten, Denkansätze und Reflexionsmethoden, auch Perspektivwechsel zu erproben.

Überdies gehe es um die Gemeinsamkeit von Kunstgenuss und dem Erleben der freien Natur. Es sei auch wesentlich, dass die digitalen Angebote nie als Ersatz, sondern stets als ein Angebot neuer, ebenso sinnlich erfahrbarer Formate und Anregungen dienten, ergänzt Direktorin Ulrike Kremeier.

„ Berlin, Prenzlauer Berg, 1991“: Auch dieses Foto von Ludwig Rauch ist im Dieselkraftwerk Cottbus zu sehen. 
Foto: Fine Art Print/Ludwig Rauch

Wenn im idyllisch am Cottbuser Amtsteich nahe dem Park Branitz (einem der schönsten Landschaftsgärten Deutschlands) gelegenen Landesmuseum Dieselkraftwerk am 1. Mai die Tore öffnen, gibt es dort unter anderem spannende Fotos  aus den Wende-Jahren nach 1990 zu sehen. Beredt sind etwa die Giebelbilder mit denkwürdigen Losungen zur Zeitenwende, die der Berliner Fotokünstler Ludwig Rauch im Osten seiner Stadt aufgenommen hat (siehe Abbildung).

Einige Säle weiter sind die eindrucksvollen Gemälde des Chemnitzers Michael Morgner zu sehen. „Urknall und Auferstehung“, so das Thema des christlichen Malers, der zu DDR-Zeiten der subversiven, von der Stasi verfolgten und heute legendären Karl-Marx-Städter Künstlergruppe „Klara Mosch“ angehörte. Seine Ausstellung zu existenziellen Menschheitsfragen hatte Morgner eigentlich schon für Ostern gestaltet.

Im Landesmuseum Junge Kunst Frankfurt (Oder) erwartet die Besucher in der historischen Rathaushalle die große, mit Spannung erwartete Schau „Der sachliche Blick“. Die dortigen Gemälde und Skulpturen belegen, wie stark in den Maler-Ateliers der DDR doch der in den 1920er-Jahren ausgeprägte moderne, präzise, kühle und oft auch sozialkritische Stil der Neuen Sachlichkeit gepflegt und weitergetrieben wurde.

Und im ehemaligen historischen Frankfurter Packhof nahe der zu Spaziergängen einladenden Oder-Uferpromenade geht es unter dem Titel „Gestern, heute, übermorgen“ um grafische und fotografische Werke aus der reichen Sammlung des Hauses. So gut wie keine der künstlerischen Handschriften wichtiger Künstlerinnen und Künstler des Ostens fehlen in dieser erlesenen Kollektion. Wer sich in all diese Bilder vertieft, erkennt bald, dass sie das Klischee vom „sozialistischen Realismus“ als einer rein propagandistischen Kunst gründlich widerlegen.

Dieselkraftwerk Cottbus, Uferstraße/Am Amtsteich 15, Di-So 10-18 Uhr.

Rathaushalle und Packhof Frankfurt (Oder), Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Str. 11, Di-So 11-17 Uhr.

Laufzeiten aller Ausstellungen auf www.blmk.de