Es wird viel über Massentierhaltung geschimpft. Aber zu den Argumenten pro Tierhaltung spricht ja, dass wir den Tieren nicht nur nehmen, sondern auch geben. Zum Beispiel bieten wir ihnen Schutz vor Witterungsverhältnissen und somit einen Komfort, in dessen Genuss wild lebende Tieren nicht kommen. Wildschweine kämpfen sich alleine durch den Winter. Hausschweine haben einen warmen Stall.

Zu warm vielleicht. Denn kürzlich ging ich eine Art Wette ein mit einer Bekannten, die behauptete, jeden Monat würden in Deutschland mindestens zwei, drei Ställe brennen – mitsamt Insassen. Ich sagte: Du spinnst, das ist in einem Land mit so strengen Brandschutzauflagen wie bei uns nicht möglich. Sie sagte: Ich schicke dir mal einen Monat lang alle Online-Meldungen zu. Das war am 22. Februar. Die „Wette“ endete am 22. März.

Am 25..2. brannte eine Ferkelzucht in Stemwede; der Inhaber war ironischerweise Feuerwehrmann. Von den 600 Tieren im Stall konnten einige Säue gerettet werden; 500 Ferkel und zwölf Säue kamen um. Am 26..2. brannte ein Ferkelstall im baden-württembergischen Rißtissen. 300 Ferkel starben; unklar, ob sie im Rauch erstickten oder das einstürzende Dach sie begrub.

Am 27..2. brannte ein Stall im Landkreis Bayreuth; 50 Ferkel und einige Muttersauen konnten gerettet werden; andere wurden notgeschlachtet. Die Lokalzeitung titelte: „Gefräßige Schweine verursachen Brand.“ Möglicherweise hatten sie eine elektrische Leitung angefressen. (Müssen Landwirte die Kabel nicht sichern? Meerschweinchenhalter jedenfalls wissen das.)

Langsam begann ich zu befürchten, die Geschichte der Ferkelzucht müsse eventuell neu geschrieben werden. Drei Brände in drei Tagen – das war ja mehr eine Ferkelvernichtung denn eine Zucht! Doch dann kam zum Glück erst mal eine Pause.

An den heißesten Tagen starben 197 "Tonnen" Puten

Erst am 14. März verbrannten wieder 2.000 Hühnerküken bei einem Schwelbrand im Kreis Gütersloh. Keine Tiere waren ums Leben gekommen am 5. März beim Stallbrand im Kreis Celle – und auch nicht in jenem mecklenburgischen Putenstall, der am 11. März abbrannte. In beiden Fällen sollten die Küken erst am folgenden Tag angeliefert werden. Die Ställe werden vorher für die Jungtiere geheizt; bisweilen setzen Gasheizungen dann das Stroh in Brand.

Ich musste daran denken, wie im Sommer Zigtausende von Hühnern und Puten ersticken, weil die Kühlungssysteme der Ställe Temperaturen über 30 Grad kaum bewältigen. Gezählt werden sie nicht, doch weil sie abtransportiert werden müssen, weiß man: Allein in Niedersachsenb starben an den drei heißesten Tagen im August 45 „Tonnen“ Hühner und 197 „Tonnen“ Puten.

Es gibt diverse Möglichkeiten, in einem Stall zu Tode zu kommen. So ist am 15. März in Dissau auf einem Hof Gülle ausgelaufen, bis sie im Schweinestall 40 Zentimeter hoch stand. Schweine kamen nicht ums Leben. Nur im angrenzenden Schafstall wurden ein Lamm und das Mutterschaf tot aufgefunden. Ebenfalls am 14. März tötete ein Stromschlag sechs Kühe in Niederbayern. Und zwar übertrug sich der Strom von einem defekten Wasserkocher über den Stallboden auf die Metallketten, mit denen die Kühe angebunden (!) waren.

Am 19. März, kurz vor Ablauf der „Wette“, brannte in Oberbayern eine Kälberhütte samt Kalb. Das Kalb überlebte mit starken Verbrennungen und tiefen Wunden – aber nur eine Woche lang. Als ich online das Foto des verkohlten Tiers sah, verfluchte ich mich dafür, dass ich je auf die Idee zu diesem Artikel verfallen war.

Derweil hatte ich bereits Landwirtschaftsministerien des Bundes sowie mehrerer Bundesländer angeschrieben. Sie hatten dazu keine Informationen. Teils verwiesen sie mich an die Innenministerien. Eines schickte eine Brandschutzverordnung – doch zu den Bränden keine Zahlen. Man schlug vor, ich solle mich an die Feuerwehr wenden (keine Zahlen) oder den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (keine Zahlen).

Wo niemand den Überblick hat, trägt niemand Verantwortung. Da ist nix mit besonderer Fürsorge, da wird kein toller Komfort geboten. Im Freien können die Tiere selber Schutz suchen, doch der Stall wird ihnen oft zur Todesfalle. Was wir den Tieren nehmen, ist ja klar – aber was wir hier geben, sehe ich nicht.