Sauerland/Nordrhein-Westfalen - Die Autokorrektur meines Computerprogramms schlägt das Wort Unternehmer vor, als ich den Namen des im Sauerländischen gelegenen Dorfes hinschreibe: Unterneger. Die Ortsbezeichnung hat es in den letzten Tagen zu einer gewissen Bekanntheit gebracht, die sogleich bedeutungsverstärkend mit dem Wort Debatte angereichert wurde. Via Agenturmeldung wird auf die semantische Kuriosität folgendermaßen aufmerksam gemacht: „Ein kleines Dorf im Sauerland erregt Aufsehen, weil es einen Namen hat, der rassistisch klingt. Sollte es sich umbenennen? Die Debatte darüber läuft.“

Der Ort heißt Neger, er liegt nahe des Biggesees im Negertal und ist unterteilt in Unterneger, Mittelneger und Oberneger. Die Namen, heißt es weiter, seien mehrere Jahrhunderte alt. Rund 400 Menschen leben dort. Die Dorfaffäre begann bereits im Mai 2020 im Zusammenhang mit den Protesten wegen des Todes des Afro-Amerikaners George Floyd in Minneapolis durch Polizeigewalt. Die Stadt Olpe, zu der der Dorfverbund gehört, wurde umgehend zu einer Namensänderung aufgefordert. Dabei gibt es keinerlei etymologischen Bezug zu einem rassistischen Kontext. Benannt sei das Dorf nach dem kleinen Flüsschen Neger, zitierte die Deutsche Presseagentur den Namensforscher Markus Denkler vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Gebildet sei das Wort aus einem nicht eindeutig herzuleitenden Stamm „Nag-“. Über Herkunft und ursprüngliche Bedeutung lasse sich nichts Genaues sagen. Allerdings lasse sich in der Forschung keine Ableitung vom lateinischen Wort „niger“ finden, das „schwarz“, „dunkel“ bedeutet.

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