Uraufführung Schaubühne : Maja Zades Erstling „Status Quo“

Berlin - Nein, so richtig prima scheint es den Powerdamen nicht zu gehen, obwohl alles nach ihrer Pfeife tanzt. Daniela, die Drogeriemarktleiterin mit nachlässigen Fettringen unter dem Kittel, fällt jedes Wort nur noch so angewidert aus dem grauen Gesicht, dass man ihr Filial-Regime jenseits aller menschlichen Gefühle ansiedeln muss.

Und Sabine, die coole Chefin des schicken Maklerbüros, entledigt sich noch während des Bewerbungsgesprächs mit der neuen Aushilfskraft „Flo“ so desinteressiert ihres Jacketts bis aufs durchsichtige Unterhemd, dass man die machohafte – nein, wie heißt das bei Frauen? – Rücksichtslosigkeit schon am egomanen Umgang mit sich selbst ablesen kann. Und dann ist da noch die abgebrühte Regisseurin Bettina in betont egalen Trash-Klamotten, die das ungelenke Sexyseinwollen des „vorsprechenden“ Rollenbewerbers „Flo“ erst mit antisexistischen Zynismen kommentiert und ihn dann gerade wegen seiner widerspruchslosen Verfügbarkeit in Nacktheitsfragen engagiert.

Man muss lachen

Alle drei Chefinnen spielt Jule Böwe mit einer unterkühlten, unüberbietbar trockenen, fast schon spielverweigernden Menschenverachtung im Gesicht – Jenny König und Marie Burchard stehen ihr breitbeinig, bräsig bei –, dass man gar nicht anders kann als lachen. Alle drei Jobbewerber namens Flo, „nein Florian bitte!“, spielt der spindeldürre, rehäugige Moritz Gottwald – assistiert von Co-Aushilfe Lukas Turtur – mit einer verzweifelten Gefallsucht, dass man ihn für die sexistische Frauenmacht, die ihm an diesem Abend klischeesatt um die Ohren gehauen wird, nur bedauern kann.

Jeder wird es gemerkt haben, Maja Zades Stück „Status Quo“ ist eine Umkehrsatire auf die hinlänglich bekannte Machtverteilung heute: „man“ heißt hier „frau“ und „Mann“ übernimmt die üblichen Frauenaufgaben: Aushilfe sein, Pflegekraft, Dauerassistenz, Haushalt führen, Kinder betreuen, auch das Ausziehen auf der Bühne gehört dazu.

Parodistische Edelkomödie

Und ja, auch wenn das alles hinlänglich bekannt ist, taugt der schlichte Umklapp-Effekt zur kleinen Sichtschärfung auf kurzer Strecke durchaus – nicht aber auf 70 Textseiten und zwei Spielstunden. Vor allem nicht, weil Zades Stück nur auf der Figurenebene bleibt und keinen einzigen analytischen, systemkritischen Ansatz einflicht. Machtmissbrauch, Sexismus ist wieder nur ein schmierig konformistisches Kumpelding, fertig.

Wäre da nicht Marius von Mayenburgs fein ziselierte Komödien-Regie, die mit fließenden Kostümwechseln und Rollenüberschneidungen auf der bunt verhängten, streng hierarchisch bleibenden Setzkasten-Bühne (Magda Willi) die Schauspieler in witzige Typenparodien zwingt – der Abend wäre nicht viel mehr als ein zu breit geklopfter Sketch. Nun ist er eine stilvoll überdehnte Edelkomödie.

Schaubühne, 7.-9., 11.2., 20 Uhr, Tel: 890023

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