Die britische Schriftstellergewerkschaft The Society of Authors wirft dem US-amerikanischen Projekt Internet Archive eine direkte und strafbare Verletzung des Urheberrechts vor und droht rechtliche Schritte an, wie die Londoner Times in ihrer Mittwochsausgabe berichtet. Auf der Website openlibrary.org stellt das 1996 von dem Informatiker Brewster Kahle gegründete Internet Archive nach eigenen Angaben unter anderem eine halbe Million E-Books zur je zweiwöchigen digitalen Ausleihe zur Verfügung, darunter auch zahlreiche britische Titel (etwa von Joanne K. Rowling und Ian McEwan), deren Ausleihe in Großbritannien genehmigungspflichtig ist.

„Die Art von ,Ausleihe’, die auf Open Library stattfindet, vermag den E-Book-Markt zu zerstören und macht es Schriftstellern noch schwerer, von ihrer Arbeit zu leben“, heißt es in dem auf societyofauthors.org veröffentlichten Brief. Wenn sich das Projekt bis 1. Februar nicht verpflichte, das Downloadprogramm für Großbritannien zu sperren, werde man, so der Schriftstellerverband, rechtliche Schritte einleiten. Auch Bücher deutschsprachiger Zeitgenossen finden sich – neben historischen Werken – in der Open Library. Dem Anschein nach größerenteils in englischen Übersetzungen, aber auch im Original, etwa von Günter Grass, Peter Handke, Daniel Kehlmann, Eva Menasse, Ingo Schulze oder Martin Walser.

Kulturschädigendes Vorgehen

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verweist darauf, dass die Fälle im Einzelnen zu prüfen sind, schließt sich der generellen Kritik der britischen Kollegen jedoch an: „Ebenso wie die angloamerikanischen Urheber*innen und unsere dortigen Verlagskolleg*innen halten wir das Vorgehen von openlibrary.org für rechtswidrig und kulturschädigend“, so Börsenvereins-Justiziar Christian Spang. „Nach der jüngsten Rechtsprechung des Landgerichts Frankfurt in Sachen S. Fischer Verlag gegen Projekt Gutenberg gehen wir davon aus, dass betroffene Verlage dies aus urheberrechtlichen Gründen unterbinden können.“ Internet Archive ist eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, „universellen Zugang zu allem Wissen zu verschaffen.“