Eisenhüttenstadt - In der DDR zählte trotz eingeschränkter Reisefreiheit Tourismus zu den Hauptaktivitäten. Nicht nur die Ostsee war Anziehungspunkt - 1972 wurden nach einer Ost-West-Entspannung Reisen zwischen Polen, der ČSSR und der DDR zum Massenphänomen - wegen des erleichterten Grenzübertritts ohne Pass und Visa. Das Museum Utopie und Alltag in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) nimmt das Datum vor 50 Jahren zum Anlass und zeigt mit der Ausstellung „Grenzen der Freundschaft“ die vielschichtigen Reiseerfahrungen der Ostdeutschen.

Zu sehen sind touristische Mitbringsel aus der Sammlung des Museums und aus Archiven sowie von privaten Leihgebern - etwa Rucksäcke, Badeartikel wie eine gestrickte Badehose, Reisekataloge, Plakate, Karten und Urlaubssouvenirs, auch Fotoalben und Kleinbildfilme sind ausgestellt. Die Schau ist ab Sonntag (26. Juni bis zum 30. April 2023) zu sehen.

Millionen Menschen in der DDR verbrachten bereits im ersten Jahr nach den Lockerungen ihren Urlaub in den Nachbarländern Polen und ČSSR oder unternahmen Tagesausflüge und Einkaufstouren in diese Länder, wie das Museum am Donnerstag mitteilte.

Also 1980 die unabhängige freie Gewerkschaft Solidarność an Bedeutung gewann, wurden die Grenzen zu Polen geschlossen, während sie zur ČSSR offen blieben. Auch das änderte sich mit dem Jahr 1989 unter dem Eindruck der Fluchtbewegung von DDR-Bürgern in die Prager Botschaft der Bundesrepublik, die maßgeblich zum Ende der DDR beitrug.

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt des Museums mit dem Zentrum für interdisziplinäre Polenstudien der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und wird gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.