Sebastian Fitzek, 49, sieht sich in Hinblick auf die US-Wahlen von der Wirklichkeit überrollt. Der Autor so erfolgreicher Psychothriller wie „Das Paket“ (2016) oder „Das Geschenk“ (2019) hat eigentlich keinerlei Probleme damit, sich aberwitzige, abseitige und auch angstbesetzte Wirklichkeiten auszudenken, aber vor dem amerikanische Wahlkrimi, insbesondere dem Gebaren von Donald Trump muss der Berliner kapitulieren, wie er der Deutschen Presse-Agentur anvertraut: „Der Präsident, der in den Umfragen hinten liegt und kurz vor der Wahl an einem Virus erkrankt, das er geleugnet hat, erklärt sich vorzeitig zum Sieger. Und am Ende der Zitterpartie könnte ein Gericht, das er vor der Wahl strategisch neu besetzt hat, entscheiden. Das sind Wendungen, die dir kein Lektor durchgehen lassen würde.“

Ganz will sich Fitzek aber nicht geschlagen geben und versucht dann doch noch, dem Politiker mit quasi-literaturwissenschaftlichen Begriffen beizukommen: „Wäre Trump eine literarische Figur, entspräche sie dem modernen ,Helden‘-Typos, der nicht unbedingt sympathisch sein oder die Werte des Publikums vertreten muss.“ Und der, so können wir ergänzen, die Werte des Publikums vertreten kann, ohne einem deswegen schon sympathisch zu sein. Wie auch immer, Fitzek sieht in Trump auch einen Meister des Suspense, des unterhaltsamen, angstlustgetriebenen Spannungsaufbaus: „Dass er schon vor dem offiziellen Wahlergebnis mit seinen Äußerungen weiter polarisiert, entspricht auch einer fast drehbuchartigen Dramaturgie.“

Kanye West, 43, bemüht sich bei den US-Wahlen ebenfalls, wirklicher als die Wirklichkeit zu sein. Während Amtsinhaber Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden noch um den Sieg ringen, denkt der Rapper schon an den nächsten Urnengang in vier Jahren. „Kanye 2024“, schrieb West vielsagend auf Twitter. Bekanntlich hatte der milliardenschwere Musiker und Modeunternehmer am 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten, seine diesjährige Präsidentschaftskandidatur verkündet. Mit seiner christlich-fundamentalistischen, ökologisch pazifistischen und einige programmatische Splitter mehr versammelnden „Birthday Party“ erfüllte der Künstler allerdings nur in zwölf der 50 US-Bundesstaaten die Voraussetzungen, sich tatsächlich zur Wahl zu stellen.

Damit war der Ehemann von Reality-Star Kim Kardashian, 40, schon allein rechnerisch chancenlos. Letztlich bekam er knapp 60.000 Stimmen und spielte bei dem Urnengang praktisch keine Rolle. Sein bestes Ergebnis fuhr West laut „New York Times“ mit rund 10.000 Stimmen im Südstaat Tennessee ein. West selbst gab seine Stimme im Bundesstaat Wyoming ab – wo er nicht kandidieren durfte. Nichtsdestotrotz beteuerte West, der unter einer bipolaren Störung leidet, auf Twitter, er habe am Dienstag bei der Präsidentschaftswahl für jemanden gestimmt, „dem ich wahrhaft vertraue – mich“. Nach eigenen Angaben war es das erste Mal, dass West überhaupt seine Stimme bei einer US-Präsidentschaftswahl abgab.