Am 4. November 2020 um Mitternacht hat sich das angekündigte Desaster ereignet: Die größte Wirtschaftsmacht der Welt und der zweitgrößte Emittent von Treibhausgasen, die Vereinigten Staaten, sind endgültig aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 ausgestiegen. Gewählt und ausgezählt wurde in dieser Nacht auch. Würde am Ende wieder ein Republikaner zum Sieger erklärt wie schon bei der Wahl 2000, kann man dieses Mal wenigstens keinen Grünen dafür verantwortlich machen. Howie Hawkins, der auch daheim fast unbekannte Präsidentschaftsbewerber der Green Party, landete mit landesweit 0,2 Prozent der Stimmen unter „ferner liefen“ und hat auch in Florida mit 13.000 Stimmen Joe Biden nicht den Sieg gekostet. Vor zwanzig Jahren wurde dem damaligen grünen Kandidaten Ralph Nader angelastet, er habe dem bis dato „grünsten“ Bewerber Al Gore geschadet. Dieser unterlag George W. Bush mit einer Differenz von 600 Stimmen in Florida, wo Nader sich 97.000 Stimmen sicherte. Und 2016 verlor Hillary Clinton mit einem Rückstand von 20.000 Stimmen auf Donald Trump in Wisconsin, wo 30.000 der nächsten grünen Bewerberin Jill Stein die Stimme gaben (und über 100.000 dem Libertären Gary Johnson).

Grüne Ideale wie ökologische Einsicht, soziale Gerechtigkeit, Graswurzeldemokratie und Gewaltfreiheit sind die vier Eckpfeiler der 1996 gegründeten Green Party in den USA, die sich unterdessen für einen Green New Deal starkmacht. Mit dem 68-jährigen Hawkins, Ökopazifist der ersten Stunde und Mitgründer der Partei, Gewerkschafter und als Mitglied der Socialist Party Unterstützer von Bernie Sanders, war sie von vornherein chancenlos. Mögen Nachhaltigkeitsideen weltweit auf dem Vormarsch und auch in den USA populär sein, Gewicht bekommen sie nur in parlamentarischen Systemen mit Verhältniswahlrecht, nicht aber in einem Präsidialsystem mit Mehrheitswahlrecht (where the winner takes it all) wie in dem der Vereinigten Staaten.

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