Havanna - Zwei Wochen nach ihrer historischen Wiederannäherung gibt es neue Spannungen zwischen den USA und Kuba. Die US-Regierung kritisierte am Mittwoch entschieden die Festnahme kubanischer Regierungsgegner. Unter den mehr als 50 Festgenommenen war auch die Performancekünstlerin Tania Bruguera. Sie hatte für Dienstag zu einer Kundgebung auf dem Platz der Revolution in Havanna aufgerufen.

„Wir verurteilen die anhaltende Drangsalierung und wiederholten willkürlichen Festnahmen durch die kubanische Regierung scharf“, teilte das US-Außenministerium mit. Das teils gewaltsame Vorgehen der Führung in Havanna diene dazu, „Kritiker zum Schweigen zu bringen, friedliche Versammlungen sowie die Meinungsfreiheit einzuschränken und Bürger einzuschüchtern“. Die USA seien „tief besorgt“ über die Festnahmen friedlicher Aktivisten und Mitglieder der Zivilgesellschaft.

Die Festnahmen erfolgten am Dienstag noch vor Beginn der Aktion auf dem zentralen Revolutionsplatz. Bruguera hatte ihre Landsleute aufgefordert, dort auf einer Tribüne zum Mikrofon zu greifen und ihre Wünsche für die Zukunft des Landes zu äußern. Elizardo Sánchez, Sprecher der offiziell verbotenen, aber von der Regierung in Havanna tolerierten Kubanischen Kommission für Menschenrechte und Nationale Versöhnung (CCDHRN), sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwochabend, insgesamt seien 51 Dissidenten festgenommen worden. Sie würden „nach und nach“ wieder freigelassen. Zehn bis zwölf Menschen seien aber noch in Gewahrsam.

Auch die 46-jährige Bruguera wurde vorübergehend festgenommen. Nach ihrer Freilassung am Mittwochmittag wurde sie nach Angaben von Sánchez am Nachmittag ein zweites Mal festgenommen, als sie auf Havannas berühmter Uferpromenade Malecón mit Journalisten sprechen wollte. Ein AFP-Fotograf beobachtete, wie sie von Zivilpolizisten gepackt und in ein Auto gesetzt wurde. Am Mittwochabend kam die Künstlerin dann endgültig frei.

Kuba sieht eine „politische Provokation“

In kubanischen Staatsmedien war die von Bruguera geplante Aktion als „politische Provokation“ bezeichnet worden. Auf dem Revolutionsplatz in Havanna finden gewöhnlich Großveranstaltungen und Kundgebungen der Regierung statt. Dem Platz gegenüber befindet sich das Regierungsgebäude, der Sitz des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas und das Verteidigungsministerium.

Die renommierte Künstlerin, die abwechselnd in Kuba, den USA und Frankreich lebt, hatte ihren Auftritt über soziale Medien bekannt gegeben. Als etwa 20 Regierungsgegner und mehrere ausländische Journalisten am Dienstag zur symbolträchtigen Plaza de la Revolución kamen, fehlte von Bruguera jede Spur. Ihr Handy war abgeschaltet, Zivilpolizisten bewachten ihre Wohnung.

Auch die Bloggerin Yoani Sánchez wurde von Zivilpolizisten daran gehindert, ihre Wohnung zu verlassen. Ihr Mann Reinaldo Escobar wurde mehrere Stunden auf einer Polizeiwache festgehalten. Dort habe er Bruguera „in grauer Sträflingsuniform“ gesehen, erklärte Sánchez auf ihrem Portal „14ymedio“.

Erst am 17. Dezember hatten sich Kuba und die USA in einem bahnbrechenden Schritt darauf verständigt, nach mehr als einem halben Jahrhundert der Blockade durch Washington wieder diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Die jüngsten Festnahmen in Kuba dürften den Kritikern der Annäherung in den USA neuen Auftrieb geben. Auch zahlreiche Mitglieder des US-Kongresses hatten Bedenken geäußert und gefordert, es müsse zunächst Zugeständnisse bei den Menschenrechten in Kuba geben. (AFP)