Herzlich willkommen“, steht zur Begrüßung über ihrer „offiziellen Webseite“, doch Utta Danella, eine der erfolgreichsten Autorinnen Deutschlands, lebt nicht mehr. Sie sei bereits Anfang Juli gestorben und in aller Stille beigesetzt worden, ließ die Familie am gestrigen Dienstag verlauten. Utta Danella selber habe das so gewollt.

95 Jahre alt ist sie geworden, „Deutschlands Rosamunde Pilcher“, wie sie oft genannt wurde, die mehr als 40 Romane über willensstarke Frauen und schöne, manchmal nicht ganz so starke Männer heraushaute, ohne sich um die Kritiken oder auch Nicht-Kritiken der Feuilletons zu scheren. „Schreiben ist für mich Freiheit“, sagte sie einmal in einem Interview und überging nonchalant den Vorwurf, ihre Bücher und deren Verfilmungen seien kaum mehr als „unterhaltsamer Kitsch“ ohne literarischen Wert. Über 70 Millionen verkaufte Exemplare und die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse im Jahr 1999 sprachen für sich.

Mannequin und Reporterin

Mit ihrem eigenen Leben, warnte die Autorin einmal, habe der Inhalt ihrer Bücher nur wenig zu tun. Das nämlich sei wesentlich bewegter verlaufen als die Biografien ihrer Romanfiguren. Geboren wurde sie 1920 in Leipzig als Utta Denneler. Die Tochter aus gutem Hause nahm Schauspielunterricht und träumte davon, Schauspielerin oder Musikerin zu werden. Indes: Es kam anders. Ein Studium musste sie abbrechen – aus Geldmangel, so heißt es dazu auf ihrer Homepage.

Die junge Frau jobbte als Reporterin und stakste als Mannequin über den Laufsteg – Erfahrungen, die später mit einflossen in ihre Romane. Im Wirtschaftswunderjahr 1950 heiratete sie. Der Mann, Hermann Schneider, war 20 Jahre älter als sie und, wie sie selber einmal sagte, war sie ihm nicht immer treu. Sie sei „nicht scharf gewesen“ auf diese Hochzeit, verriet sie, allerdings erst im hohen Alter, als Hermann Schneider längst verstorben war. „Aber irgendwann muss man das doch machen.“

Bücher schreiben, das war es, was Utta Schneider, geborene Denneler, vor allem wollte. Auf dem Dachboden ihres Hauses in München habe sie heimlich ihren ersten Roman „Alle Sterne vom Himmel“ verfasst, erzählte sie gern. Die Geschichte von der temperamentvollen Katarin, die nach dem Zweiten Weltkrieg tapfer um ihr privates wie um ihr berufliches Glück kämpft, umfasste tausend Seiten – und kein Verlag wollte die dicke Schwarte drucken.

Schließlich erbarmte sich der Münchener Verleger Franz Schneekluth des Werks und seiner jungen Autorin. Schneekluths Bedingung: Das Manuskript musste um die Hälfte gekürzt werden. Und: Frau Schneider möge doch bitte das Pseudonym „Utta Danella“ annehmen. Anfang Januar 1956 erschien der Roman dann schließlich in einer Auflage von immerhin 6000 Exemplaren.

Der Durchbruch als Bestsellerautorin gelang Utta Danella vier Jahre später mit ihrem Roman „Stella Termogen oder Die Versuchung der Jahre“. Die Lebensgeschichte einer jungen Frau, die zwischen zwei Weltkriegen geboren wird und sich nach 1945 in der Nachkriegszeit durchbeißen muss, mag womöglich manche Station ihres eigenen Lebens widerspiegeln. „Stella“ verkaufte sich innerhalb kurzer Zeit mehr als 100000 Mal: Die Marke Utta Danella als Garant für gigantische Verkaufserfolge war gefunden.

Mehr als blödes Liebesgequatsche

43 Bücher schrieb Utta Danella in den folgenden Jahrzehnten. Fast jedes – „Der blaue Vogel“, „Tanz auf dem Regenbogen“ – wurde ein Bestseller. 2006 erschien der letzte Roman der inzwischen 86-Jährigen, „Der Kuss des Apollo“.

Ihre Bücher sind häufig eingebettet in einen zeitgeschichtlichen Hintergrund, den die Autorin genau recherchierte. Wie sehr die Zeitläufte die Lebensgeschichte eines Menschen prägen können, hatte sie, die zwei Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs geboren wurde, schließlich selber zur Genüge erfahren. „Geschichte ist mir sehr wichtig. Das ist das, was mir am Schreiben Spaß macht“, sagte sie einmal in einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger.

In den zahlreichen Verfilmungen ihrer Bücher fielen diese Zeitbezüge allerdings meist weg, was die Autorin stets über die Maße ärgerte. „Die zerstören meinen Stoff“, grantelte sie häufig, und „ich ärgerte die Bavaria mit meiner Meckerei“. Denn „ohne Geschichte wird es zu oberflächlich, zu seicht. Nur blödes Liebesgequatsche, das ist mir zu wenig. Das ist uninteressant“.