„Zwölf Sonnenblumen in einer Vase“ in der National Gallery, London.
Foto: Imago

TokioDie „Zwölf Sonnenblumen in einer Vase“ sind eines der berühmtesten Bilder der Welt. Vincent van Gogh malte es 1888 in Arles, in einer seltenen Phase des Optimismus. Er wartete damals auf den von ihm verehrten Paul Gauguin, hoffte, mit ihm zusammen eine Künstlergemeinschaft in Südfrankreich gründen zu können.

Arbeit von Sonnenaufgang an

In einem Brief an seinen Bruder Theo schrieb er: „In der Hoffnung, dass ich mit Gauguin in unserem eigenen Atelier wohnen werde, will ich eine Reihe von Bildern dafür machen. Weiter nichts als lauter große Sonnenblumen. (…) Ich male mit demselben Enthusiasmus, mit dem die Leute in Marseille ihre Bouillabaisse essen, (…), arbeite jeden Morgen von Sonnenaufgang an. Denn die Blumen verwelken schnell.“

Es entstanden mehrere Sonnenblumen-Gemälde, eines hängt in der Londoner National Gallery, es ist dort so beliebt, wie die „Mona Lisa“ im Pariser Louvre, was bedeutet, dass es ständig umlagert und fotografiert wird. Manche Besucher kommen nur seinetwegen. Man kann auch nicht einfach hingehen und es sich angucken, sondern bekommt ein Zeitfenster zugeteilt.

Bild ohne Betrachter

Nun hat das Bild kürzlich zum ersten Mal Europa verlassen. Es sollte von Dienstag an in einer Ausstellung des Nationalmuseums für westliche Kunst in Tokio gezeigt werden, doch aufgrund von Corona hat Japans Kulturminister eine zweiwöchige Schließung sämtlicher Museen im Land angeordnet. Die berühmten Sonnenblumen befänden sich nun in der Quarantäne-Abteilung des Museums, meldete der Guardian. Eine merkwürdige Vorstellung, dass dieses begehrte Bild nun ohne Betrachter dasteht.

Vielleicht aber stimmt das auch gar nicht. Vielleicht muss man sich eher vorstellen, dass dieses Bild nun geliebt und betrachtet wird, wie es ihm zukommt, nämlich ohne Gedränge, ohne Zeitbegrenzung. Museumsmitarbeiter in Tokio müsste man sein!