Wurde quasi zu seinem Vermächtnis: Vincent van Goghs „Baumwurzeln“ von 1890.
Foto: Courtesy the Van Gogh Museum, Amsterdam, via Wikimedia Commons

Amsterdam„Stillleben malen ist der Anfang von allem“, schrieb Vincent van Gogh  (1853–1890) sechs Jahre vor seinem qualvollen Tod als Folge eines bis heute rätselhaften und zu (Mord-)Verschwörungstheorien verleitenden Suizidversuch an den Bruder Theo, seinen einzigen Mäzen.  Aus dem Satz geht hervor, dass es dem Niederländer nicht nur um die Wiedergabe der Gegenstände ging, sondern darum, der Natur und den Dingen Leidenschaft zu verleihen. All diese stillen Bilder dienten van Gogh auch zur Selbstvergewisserung: „Ich übernehme von der Natur eine gewisse Reihenfolge und Genauigkeit der Platzierung der Töne, ich studiere die Natur, damit ich keinen Unsinn mache und vernünftig bleibe; doch ob meine Farbe buchstäblich genau dieselbe ist, daran liegt mir nicht weiter viel, wenn sie nur auf meinem Bild gut wirkt …“

Ein Stillleben war auch sein letztes Bild. Das Gemälde ist ein Beispiel für die doppelquadratischen Leinwände, die van Gogh in seinen späten Landschaften verwendet hat. Das Motiv wirkt zudem wie ein Abschied – von der obsessiv geliebten Malerei, vom Leben. Kein Wunder, dass „Baumwurzeln“, dieses erdige Lebenssymbol in Blau, Braun, Rost, Beige und Grün, gerade für nachdenkliche und melancholische Kunstliebhaber zu einer Ikone wurde. Das Amsterdamer Van-Gogh-Museum gibt ihr in der Dauerschau einen ganz besonderen Platz und Raum auch auch in der Museumspädagogik gerade für Kinder und Jugendliche. Nicht zuletzt erweist sich das Werk ja auch als dankbare Metapher, zeigt das Motiv doch das, was jedem suchenden, denkenden, fühlenden Menschen Halt, Richtung, vielleicht im Leben auch Flügel gibt: den Wurzelgrund.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.