Wir wollen jetzt niemandem den Spaß verderben, aber wer bloß wegen der Werbefotos ins Renaissance-Theater geht, wird enttäuscht sein: Zwar trägt Annika Mauer darauf als Domina außer ein bisschen Latex und Leder vor allem viel nackte Haut, was ihr gut steht, doch ein „Sado-Maso-Porno“ wird trotzdem nicht gespielt, nur immer wieder als Begriff genannt. Dieser freilich ist völlig falsch, wie Michael von Au als Regisseur Thomas nicht müde wird zu betonen. Der hat „Venus im Pelz“, die berüchtigte Novelle des österreichischen Schriftstellers Alexander Ritter von Sacher-Masoch aus dem Jahr 1870, für die Bühne bearbeitet. Und nun möchte er seine Version inszenieren und sucht dafür eine passende Venus, die indes beim Casting unter fast vierzig Schauspielerinnen nicht zu entdecken ist.

Bis die so verspätete wie geheimnisvolle Wanda auftaucht, die es faustdick hinter den Ohren hat und, frei nach Nietzsche, beim Gang zum Manne die Peitsche gewiss nicht vergisst: Kein Rohrstock dürfte dieser strengen Dame fremd sein. Aber da sie nicht Sacher-Masochs Wanda, sondern die Hauptfigur in dem Stück „Venus im Pelz“ von David Ives ist, der 1950 in Chicago geboren wurde, hat sie mit dem Text und ihrer Rolle einige ganz heutige Probleme. Sie findet den Regisseur mackerhaft, das Drama sexistisch und die Novelle frauenfeindlich, weil Wanda darin ein S/M-Verhältnis mit dem Adeligen Severin hat, das sie für ungerecht bewertet hält: „Er zwingt ihr ein Machtspielchen auf und dann gibt er ihr die Schuld!“

Hüllen fallen

Das Vorsprechen, bei dem Thomas die Rolle jenes devoten Severin übernimmt, wird zu einem lustvollen Kampf mit fließenden Übergängen zwischen Fiktion und Realität sowie wechselnder Befehlsgewalt. Wanda lässt die Hüllen fallen, Thomas seine Vorsicht. Während sie das blanke Fleisch hingegen eher zu schützen scheint, schmerzt ihn seine Offenheit, denn es wird deutlich, dass ihn mit Severins Obsessionen mehr verbindet, als er zugeben möchte.

Annika Mauer und Michael von Au sind zwei grundsympathische Schauspieler, deren Versuche nicht hoch genug geschätzt werden können, diese deutschsprachige Erstaufführung lebendig zu machen. Doch wirkt das Theater-auf-dem-Theater-Stück trotz ihres heldenhaften Einsatzes trocken, linkisch und überkonstruiert, woran auch die behäbige Regie von Torsten Fischer nichts ändert. Manches ist allerdings lustig, etwa wenn Wanda über Severins erotisches Faible für Pelze spottet: „Du willst gar keine Frau, du willst ihr Fell. Du solltest einen Waschbären heiraten.“ Auf den Fotos sieht all dies nicht unsexy aus, aber in der Realität ist es einfach mau und matt und vergebliche Liebesmüh’.

Venus im Pelz, 27.-29.9., 7.-12.,10., Renaissance-Theater, Tel. 31.24.202