Köln - Jetzt wissen wir also endlich, was Jan Böhmermann in seiner vierwöchigen TV-Pause gemacht hat. Er hat die RTL-Sendung „Schwiegertochter gesucht“ geguckt. Und das war eine ziemlich gute Entscheidung. Am Donnerstagabend kehrte Böhmermann mit seinem „Neo Magazin  Royale“ zurück und die Erwartungen waren riesig. Alle wollten wissen, in welcher Form der 35-Jährige auf die Staatsaffäre nach seinem Erdogan-Schmähgedicht eingehen würde.

Doch abgesehen von zahlreichen Anspielungen in „Deutschlands gesetzestreuester Sendung“ hielt er sich sehr zurück. „Auf dieser Sendung ist viel Druck. Ich hab’ gesagt, Gags lass ich bleiben, hab’ ich schlechte Erfahrungen mit gemacht.“ Deshalb hatte er im Vorfeld sein Publikum gebeten, ihm Witze zu schicken. Für jeden, den er in der Sendung vortrug, gab es 103 Euro, „weil es eine Primzahl ist“ – aber natürlich in Anlehnung an den Majestätsbeleidungsparagrafen. 10 000 Gags hatte seine Redaktion erhalten, die bewegten sich zwar eher auf Schulhof-Niveau, aber das spielte keine Rolle. Er hatte auch angekündigt, 500 Euro für jeden Witz eines Politikers zu spenden – „an »Reporter ohne Grenzen« oder »Staatspräsidenten in Not«“ –, doch da hatte sich keiner getraut.

Intelligente Medienkritik

Keine Witze über Erdogan also. Böhmermann tat gut daran. Er verrannte sich nicht in das Thema, das schon rauf und runter und in allen Facetten diskutiert worden ist, sondern konzentrierte sich auf das, was er wirklich gut kann. Sehr, sehr intelligente Medienkritik. Er habe nämlich viel nachgedacht „über eine wichtige, mächtige Frau“. Und das war eben nicht die Kanzlerin, sondern RTL-Moderatorin Vera Int-Veen.

Die moderiert „Schwiegertochter gesucht“ und zerrt dort auf menschenverachtende Art und Weise einsame Männer vor die Kamera, die gar nicht einschätzen können, wie sie in der Kuppelshow vorgeführt werden. Wer Böhmermanns Grinsen sah, als er sagte, in der Show gehe doch sicherlich „alles mit rechten Dingen zu“, der wusste schon, jetzt kommt etwas Großes.

Denn der Moderator und sein Team haben zwei Schauspieler – als  einsamen Eisenbahnfreund Robin und dessen Vater – in „Schwiegertochter gesucht“ eingeschleust und so auf brutale Art deutlich gemacht, wie RTL diese Show manipuliert und Kandidaten zum Gespött macht.  150 Euro Aufwandsentschädigung für bis zu 30 Drehtage, Anweisungen, was der offensichtlich minderbemittelte Robin zu sagen hat. „Es geht nicht um Liebe. Es geht ums Geschäft“, resümierte Böhmermann sichtlich erfreut darüber, dass RTL die Täuschung nicht aufgefallen war.