Sofern Rupert Murdoch davon ausgegangen ist, dass der Eklat um illegale Informationsbeschaffung bei den britischen Zeitungen seines Weltkonzerns wie die meisten anrüchigen Affären irgendwann im Sande verläuft, hat sich die Hoffnung nicht erfüllt. Am Samstag nahm Scotland Yard fünf weitere Journalisten des englischen Massenblatts The Sun wegen Korruptionsverdachts vorübergehend fest, dazu einen Ministerialbeamten, ein Mitglied der britischen Streitkräfte sowie einen Polizisten. Der Skandal hat inzwischen ein bedrohliches Ausmaß für die Sun erreicht: Murdoch sah nach den jüngsten Entwicklungen Anlass, den Angestellten der Sun zu versichern, dass er die meistgelesene britische Zeitung „auch weiterhin weiter besitzen und drucken“ wird.

Schon im vergangenen Juli hatte das Medienunternehmen News International das Schwesterblatt der Sun, die hoch profitable News of the World, einstellen müssen. Weil der Verdacht besteht, dass Reporter systematisch die Telefonmailboxen von Prominenten, Politikern und Verbrechensopfern abhörten, um an Informationen zu kommen, setzte die Polizei Sonderermittler ein.

Konzern auf dem Prüfstand

Die Verhaftungen vom Wochenende gehen auf eine zweite Ermittlungskommission namens Operation „Elveden“ zurück, die sich mit Bestechung, Amtsmissbrauch und Beihilfe – auch in den Reihen der Polizei selbst – beschäftigt. Zu den Festgenommenen gehören angeblich ein stellvertretender Chefredakteur der Sun, ein Bildredakteur, Chefreporter, Chefkorrespondent und ein Nachrichtenredakteur. Alle wurden gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Ethikkommission des Mutterkonzerns New Corp. selbst hatte die relevanten Informationen an die Ermittler weitergegeben.

Für britische Politiker sind die Vorfälle vom Wochenende ein Hinweis darauf, dass es bei dem Skandal längst nicht mehr nur um illegales Abhören geht. „Die Unternehmensführung des Konzerns, dem Rupert Murdoch vorsteht, steht auf dem Prüfstand“, sagte der Labour-Abgeordnete Tom Watson. In Großbritannien beschäftigt sich außerdem eine unabhängige Untersuchungskommission unter Vorsitz des Richters Leveson mit journalistischem Fehlverhalten.

Im Zuge der Operation „Elveden“ wurden bislang 21 Personen verhaftet. Bereits am 28. Januar hat Scotland Yard Ermittlungen gegen vier Sun-Reporter und einen Polizisten aufgenommen. Mitte dieser Woche nun wird Rupert Murdoch wieder selbst in London einfliegen. Das Ende des Skandals ist für den Medienzaren noch lange nicht in Sicht.