Jonas Fleischauer (Tom Gronau) verfolgt ein großes Anliegen.
Foto: RBB

Frankfurt (Oder)Am Geländer der Oderbrücke in Frankfurt steht ein junges Mädchen – bereit zum Sprung. Im letzten Moment wird die 16-jährige Larissa aus dem polnischen Slubice gerettet, als ein fremder junger Mann an sie herantritt, der salbungsvoll auf sie einredet. „Du wirst es nicht schaffen, weil das Kind beschützt wird.“ Larissa ist schwanger. Sie sagt nicht, wer der Vater ist, sie schweigt und weint. Ihre Eltern sind verzweifelt. 

Verzweifeln kann an diesem Fall auch der Zuschauer. Die Geschichte (Buch: Hendrik Hölzemann) unter dem programmatischen Titel „Heilig sollt ihr sein“ ist mit Symbolik überfrachtet, von etlichen überflüssigen Nebenhandlungen durchsetzt und am Ende wird nicht eines der anfangs aufgeworfenen Rätsel wirklich gelöst. Zudem leidet das Zusammenspiel von Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) unter einer Sprachlosigkeit, die nicht mehr nachvollziehbar ist. Der Film sei „nach einer Idee von Matthias Glasner“ entstanden, heißt es im Vorspann. Womöglich hätte Glasner, der zuletzt die 2. Staffel der Serie „Das Boot“ mitverantwortete, das Projekt selbst weiterverfolgen sollen. Rainer Kaufmann jedenfalls ist als Regisseur daran gescheitert.  

Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Vielleicht erst mal mit etwas Positivem. Die Geschichte um die durchlässige Membran zwischen Glauben und religiösem Wahn greift eine Problematik auf, die in dem Grenzland-Polizeiruf aus Brandenburg bisher höchstens am Rande eine Rolle spielte. In Frankfurt an der Oder treffen ja nicht nur Menschen unterschiedlicher Nationalität aufeinander, sondern auch Menschen verschiedener Religiosität. In der Praxis heißt das: Atheisten hier, Katholiken dort. Solchermaßen spirituell begründeten Konflikten nachzugehen, ist tatsächlich lohnenswert.

Das gelingt hier aber nicht, weil der Film in eine Obskurität abdriftet, die es einem schwer macht, überhaupt noch etwas ernst zu nehmen. Da auf der polnischen Seite Abtreibungsgegner mobilmachen, kommt Larissa, das Mädchen von der Brücke, in eine Frankfurter Klinik, wo ein Spätabbruch der Schwangerschaft vorgenommen werden soll. Bei dem Ungeborenen wurde Trisomie 18 diagnostiziert, es wäre nicht lebensfähig, sagt der Arzt. Nun taucht der junge Mann von vorhin wieder auf, spaziert ungehindert in den OP, um „wie ferngesteuert, in dem Glauben, etwas Gutes zu tun“ (Pressetext) Larissa das Baby aus dem Bauch zu schneiden. Kurz danach stirbt sie, das Kind aber lebt und ist kerngesund. Ein Wunder.

Und gleich noch eins hinterher. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass Larissa Jungfrau war. Der junge Mann indes hält sich für den Propheten Elias und muss zweimal die Woche zum Exorzisten. Oh Gott, oh Gott.  

Polizeiruf 110: „Heilig sollt ihr sein“

So, 3. Mai 2020,  20.15 Uhr, ARD