Berlin - Im Jahr 2020 hat André Förster seinen zehnten Geburtstag als Verleger des Verlags für Berlin-Brandenburg (vbb) gefeiert, allerdings ohne Fest. Mit unserer Bücherfrage der Woche wollen wir von ihm wissen: Wie starten Sie ins neue Jahr?

André Förster: Nicht nur für uns hoffe ich, dass im Laufe des Jahres die Kultur wieder hochfahren kann und dass wieder Veranstaltungen mit Publikum möglich sind. Wir wollen schließlich im Sommer 2021 unser Verlagsfest nachholen, um dann nicht nur zehn Jahre Neubeginn des vbb zu feiern, sondern auch fünf Jahre Quintus. Das ist der Verlag, den wir im Herbst 2016 gegründet haben, um ein literarisches Programm zu pflegen, das auch überregional gelesen werden soll.

Ins neue Jahr sind meine Kollegin Sophie Bentzien und ich ganz praktisch gestartet: mit der Inventur – nicht nur im kaufmännischen Sinne. Es ist auch eine Bestandsaufnahme dessen, was unser kleines Team unter den besonderen Bedingungen des Jahres 2020 erreicht hat. Alles in allem war es für uns zum Glück kein verlorenes Jahr. Es wurden ja weiterhin Bücher gekauft, und einige unserer Neuerscheinungen sind auf größeres Leserinteresse gestoßen, wie Monika Melcherts Buch über Anna Seghers im mexikanischen Exil „Im Schutz von Adler und Schlange“ und Michael Bienerts „Das kunstseidene Berlin. Irmgard Keuns literarische Schauplätze“.

Und so, Geschichte und Gegenwart verbindend, wollen wir weitermachen. Beispielsweise wird im März „Des Kaisers Nachmieter“ von Christian Walther erscheinen, ein Buch zur überraschend vielfältigen Nutzung des Berliner Schlosses zwischen der Revolution 1918 und dem Abriss 1950. Besonders gespannt bin ich auf das Buch von Birgit Jochens über Berliner Kochbuchautorinnen vom 19. Jahrhundert bis heute. Einige von ihnen haben auch die Küche als Kampfplatz der Emanzipation verstanden und traten jede auf ihre Weise aus den tradierten Rollenbildern heraus. Thomas Poeschel bringt uns die Lebensgeschichte der Hitler-Gegner Rudolf Olden und Balder Olden nahe, die nach 1933 als Schriftsteller und Publizisten im Exil weiter für ein demokratisches Deutschland kämpften. Um das Überleben als Schriftstellerin unter den Bedingungen der NS-Herrschaft geht es auch in einem Band mit bislang unbekannten Briefen von und an Irmgard Keun, die Michael Bienert herausgibt – das ist eine schöne Ergänzung zu dem Bildband.

Für einige unserer 2020er-Titel wünsche ich mir einen „zweiten Frühling“ – zum Beispiel für „Schmoren im Paradies“ von Kerstin Hensel und Carola Wiemers, eine herrlich versponnene kulinarische Erzählung, liebevoll illustriert von Ruth Tesmar.