Geschichte in der Tiefgarage, mit dem Handy fotografiert: Der Verleger Ulrich Hopp und sein Autor Michael S. Cullen.
Foto: Cornelia Geißler

BerlinMit dem etwas linkischen  Charme des Anfangs traten die Geschäftsführer des Bebra-Verlags am Montagabend an, um die schöne Reihe „Verlage besuchen“ coronagerecht umzusetzen. Sie luden in eine Tiefgarage unter Haus 2 der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg. So saß denn das Publikum auf Stühlen in mehreren Schritten Abstand voneinander in der Nähe von SUVs und Familienkutschen. Vom Verlag gab es nix zu sehen, gerade mal eine locker angelehnte Tür, hinter der sich das Archiv verbergen soll.

25 Jahre gibt es den zunächst auf Berliner und brandenburgische Themen konzentrierten, seit einigen Jahren auch mit einem Japan-Schwerpunkt ausgestatteten Verlag. Im Januar hatten Mitarbeiter, Autoren und Buchhändler noch vergnügt gefeiert, mit der Pandemie kam ein deutlicher Einbruch des Umsatzes. Das ist in Berlin immer wieder erstaunlich zu hören, hatten hier doch die Buchhandlungen genauso geöffnet wie die Lebensmittelgeschäfte. Ulrich Hopp, der Verleger, erklärte es mit dem Wegfall der Veranstaltungen – sonst seien es 250 bis 280 im Jahr. Und wenn ein Autor etwa in einer Buchhandlung auftrete, werden oft rund zwanzig Titel verkauft.

Aus dem Publikum meldete sich Detlef Bluhm mit einem kleinen Moment der Hoffnung: Der Autor und Fotograf des Bandes „Die Architektur der Fünfzigerjahre“ hatte sich nicht damit abfinden wollen, dass seine Buchpremiere ausfiel und verlegte sie ins Internet. Während der Live-Übertragung aus der Stadtbibliothek im Hansaviertel hätten sich nur drei Nutzer zugeschaltet, was natürlich deprimierend war. Inzwischen haben aber bereits 265 Menschen den einstündigen Beitrag auf Youtube gesehen. Bluhm liest nicht bloß; er zeigt Beispiele und spricht über die architektonischen Besonderheiten.    

Leider nutzten die Verlagsleute den Abend nicht, um Begeisterung zu entfachen. Im Halbdunkel der Tiefgarage saßen also Hopp und Robert Zagolla und erzählten im Wechsel den Weg des Verlags von der Gründung bis irgendwann ins neue Jahrtausend. Die spannendsten Momente in ihrer Erzählung waren jene, wenn einmal ein Buch nicht rechtzeitig fertig wurde. Am erfolgreichsten war ein Titel aus der Anfangszeit, „Currywurst. Ein anderer Führer durch Berlin“ von Gerd Rüdiger, heute bedauerlicherweise vergriffen.

Longseller des Verlages ist ein Porträt des Reichstages von Michael S. Cullen, erhältlich in mehr oder weniger bebilderten Ausgaben, auch mehrsprachig. Cullen, gern auch als „Mr. Reichstag“ bezeichnet, war ebenfalls anwesend. Er berichtete dann, anfangend in den 70er-Jahren, wie er Christo dabei unterstützt hat, das Hohe Haus zu verhüllen, eine lange, komplizierte Heldengeschichte.

Die Reihe „Verlage besuchen“ ist eigentlich eine schöne Idee, um Leser und Büchermacher zusammenzuführen. Der Bebra-Verlag hätte in seinen engen Räumen unter der Hygieneverordnung vermutlich nur drei Gästen Platz bieten können. In die Tiefgarage kamen nun höchstens dreizehn. Von den Autobesitzern tauchte glücklicherweise nur um 20.30 Uhr eine dreiköpfige Familie mit Pudel auf, die dezent einen Mercedes vom Veranstaltungsort fuhr. Die Abgasbelastung war also gering, besonders frisch wirkte die Luft dennoch nicht.

Jeder Besucher fand auf seinem Platz das Jubiläumsbuch zum 20. Geburtstag vor und die Vorschau für das Herbstprogramm im Jubiläumsjahr 25. Schade nur, dass nicht auf einem Tisch die neuen Titel gezeigt wurden, dass es keine Möglichkeit gab, in die künftigen Erfolgsbücher zu blättern. So war es ein recht trauriger Abend.