„Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche!“ Dieser Titel des 2004 von Lutz Schulenburg herausgegebenen Büchleins mit „Rebellischen Worten“ von den Sexpistols über Thomas Müntzer bis Groucho Marx könnte auch das Lebensmotto des Verlegers Lutz Schulenburg gewesen sein. In seiner 41-jährigen Tätigkeit als Verleger blieb der heitere Kämpfer stoisch dabei, den Geist der sozialen Utopie zu verbreiten und zu gesellschaftlichen Veränderungen zu ermutigen.

Die „subversive Fibel für eine menschliche Alternative zu den globalen politischen und sozialen Verhältnissen“ fing die zornige und lustvolle Aufbruchsstimmung jener Nach-68er-Zeit ein, in der Lutz Schulenburg wie viele seiner Generation daran glaubten, dass Revolution machbar sei. Der fröhliche Anarchist Lutz Schulenburg hat den Glauben daran nie verloren – und setzte die Philosophie der Tat in den Publikationen seines Verlags um.

1953 in der Hamburger Vorstadt Bergedorf als Kind in einer Arbeiterfamilie aufgewachsen, war er mit 14 Jahren schon in der sozialistischen Schülergruppe, brach die Schule ab, machte eine Lehre als Dekorateur, war aktiv in der anarchistischen Bewegung, was ihn mit dem Situationisten Pierre Gallissaires zusammenbrachte. Mit diesem gründet er 1971 die anarchistische Theorie-Zeitschrift MaD , die später umbenannt wurde in „Revolte!“. Seine zweite „Lehrzeit“ absolvierte er beim Spartacus Buchvertrieb im Keller unter dem Abaton-Kino in Hamburg.

1972 stieß Hanna Mittelstädt dazu, am 1. April 1974 wurde ein Gewerbeschein beantragt für den Verlag, der 1976 Edition Nautilus hieß. Mit den Rechten für „Dinner for One“ gelang ein Coup, der – immer unter fröhlicher Selbstausbeutung – die finanzielle Rückendeckung lieferte für unendlich viele Mutmacher zum „kommenden Aufstand“, radikale „Gebrauchsanweisungen“ zum richtigen Leben im Falschen, Agitationsschriften wie das Gendermanifest „Fleischmarkt“ oder Pussy Riots „Punk-Gebet für die Freiheit“, und politische Analysen zum Zustand der kapitalistischen Welt.

Das Gesamtwerk Franz Jungs, Flugschriften, Krimis – noch ein Hit mit „Tannöd“ von Andrea Maria Schrader – und seit 1981 das „Meinungsblatt“ „Die Aktion“, das sich als „ Gegnerin der behäbigen Allianz von Kommerz und Lumperei“ versteht. Gerade 60 geworden, verstarb der unersetzliche Lutz Schulenburg am 1. Mai.