BerlinDie Trennung des S. Fischer Verlags von seiner langjährigen Autorin Monika Maron war in den vergangenen Tagen mehrfach Thema nicht nur in der Berliner Zeitung, auch in anderen Medien. Der Spiegel beschreibt in seiner aktuellen Ausgabe auf drei Seiten die Entwicklung einer Entfremdung: Die Differenzen zwischen der Verlegerischen Geschäftsführerin Siv Bublitz und der Autorin hätten mit dem Roman „Munin oder Chaos im Kopf“ angefangen. Nun käme es zum „Wer-darf-was-sagen-Streit, der fast allen großen Kulturdebatten der vergangenen Zeit zugrunde liegt“. Die FAZ fasst zusammen, dass „in einer Demokratie, die Meinungspluralität zu ihren Grundsätzen zählt, sollten solche Äußerungen auch von denen ausgehalten werden, die ihre Ansicht nicht teilen“. 

Dagegen verhielt sich der Verlag in der Öffentlichkeit auffällig ruhig. Sollte tatsächlich allein Marons Ausflug mit einem Band zu Susanne Dagens Buchhaus Loschwitz Grund für die Trennung gewesen sein? Am Freitagnachmittag fand Siv Bublitz die Zeit, schriftlich einige Antworten auf die Nachfragen der Berliner Zeitung zu geben. Wir dokumentieren sie im Folgenden.

Siv Bublitz schreibt: „Sie fragen, wie deutlich der S. Fischer Verlag Monika Maron gemacht hat, als sich ihre Veröffentlichung beim Buchhaus Loschwitz anbahnte, dass dies die weitere Zusammenarbeit mit ihr unmöglich macht. Wir erfuhren erst kurz vor der Veröffentlichung bei Loschwitz von diesem Band. Als er erschien, haben wir uns ein Gespräch mit der Autorin gewünscht und wollten eine gemeinsame Sicht erreichen. Wir wollten die Autorin nicht zu einer Korrektur ihrer Meinung zwingen und haben das auch nicht versucht. Es ging um etwas anderes: Wir wollten eine klare Distanzierung von einem publizistischen Netzwerk, in dem völkisch und rassistisch argumentiert wird. Da reicht eine Aussage, man finde den Titel einer Reihe ,unglücklich‘, nicht aus. (Der Titel lautet „Exil“. Anm. der Redaktion) 

Im März haben wir mit der Autorin über die Publikation im Buchhaus Loschwitz das Gespräch gesucht – Frau Maron empfand unsere Bedenken als unzulässige Einmischung. Daraufhin haben wir ihr gesagt und geschrieben, dass wir keine Verträge über neue Werke mehr schließen möchten, boten aber weitere Gespräche an. Die Differenzen konnten aber über Monate nicht beigelegt werden. Es ging eben nicht um Inhalte, sondern um Monika Marons Publikation in einem Netzwerk, das wir für gefährlich halten.

In einem Verlag soll und darf es eine große Bandbreite von Meinungen geben. Ein Verlag muss es aushalten und sogar fördern, dass es unter den Autor*innen und Mitarbeitenden unterschiedliche, einander zum Teil widersprechende Positionen gibt. Pluralistische Werte wollen aber auch verteidigt sein. Bei völkischen und rassistischen Diskursen hört die Meinungsvielfalt auf. Hier ist es wichtig, unsere Verlagsgeschichte zu sehen: Das Exil vieler Autorinnen, Autoren und der Verlegerfamilie Fischer während der Diktatur des Nationalsozialismus prägt uns bis heute. Deshalb können wir hier nicht wegsehen und indirekt einen publizistischen Kontext unterstützen, der der Tradition, der Geschichte und den Werten des Verlages diametral widerspricht.

Sie haben auch nach dem Essayband zum Geburtstag gefragt. Den hatte sich die Autorin ausdrücklich gewünscht, wir wollten ihn erscheinen lassen, die Textarbeit war abgeschlossen. Die Autorin hat aber inzwischen mitgeteilt, dass sie nicht mehr will, dass er bei Fischer herauskommt.

Dass wir ,Artur Lanz‘ verlegt, eine Würdigung zum 80. Geburtstag geplant und das bei uns erschienene Werk von Monika Maron zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt haben, wird in einigen Medien als Inkonsequenz dargestellt. Dass für eine gemeinsame Zukunft das Vertrauen fehlt, diskreditiert aber nicht die gemeinsame Vergangenheit. Wir sind dankbar für die vielen guten Jahre mit Monika Maron und halten ihr Werk in Ehren.“