Vertrauen schaffen: Über Wissenschaft reden

Im vergangenen Jahr gaben 54 Prozent aller erwachsenen Deutschen an, dass sie Wissenschaft und Forschung vertrauen. Mehr als ein Drittel – 39 Prozent – zeigten sich unentschieden, sieben Prozent äußerten Misstrauen gegenüber dem System der Forschung und seinen Resultaten. In anderen Ländern, etwa den Vereinigten Staaten, ist die Gruppe der Skeptiker deutlich größer. Aber beruhigen kann auch die Situation in Deutschland nicht, zumal der Anteil derjenigen, die in Forschung vertrauen, stetig abnimmt.

Was soll die Wissenschaft tun, um verlorene Reputation wiederzugewinnen? Nicht wenig haben Hochschulen und Forschungseinrichtungen während der letzten Jahre in ihre Wissenschaftskommunikation investiert. Stiftungen und Verbände loben Preise für guten Wissenschaftsjournalismus aus. Schon 1999 wurde „Wissenschaft im Dialog“ als Gemeinschaftsinitiative verschiedenster Forschungsorganisationen gegründet. Ihr Ziel war und ist es, angesichts einer wachsenden Spezialisierung in den Fachkulturen offener mit den Bürgern über Wissenschaft zu kommunizieren.

Einfache Lösungswege gibt es heute weniger denn je. Die Zeiten, da sich die Fernsehnation von prominenten Experten die Welt über den Bildschirm erklären ließ, sind vorüber. Die Parallelstrukturen des Internet haben Echokammern eigener Art erzeugt. Sie bilden selbstständige Diskussionsforen mit unterschiedlich seriöser Informationsqualität, jeweils eigener Agenda und spezifischen Zielen. Manche bieten sachkundige Vermittlungsarbeit, andere liefern Zuspitzungen, Fakes und aberwitzige Theorien.

Die vielbeschworene Wissenschaft für den Bürger ist kein Vehikel in einer Einbahnstraße. Wer die Idee von Wissenschaftsplattformen ernst nimmt, versteht sie als Orte des wechselseitigen Austauschs. Vielleicht brauchen wir dafür eine Akademie, wie es Ernst Dieter Rossmann, der Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses im Deutschen Bundestag, kürzlich vorschlug. Ehe man jedoch über institutionelle Lösungen nachdenkt, sollte eine Klärung der Aufgaben erfolgen.

Drei Ziele muss eine moderne Wissenschaftskommunikation umsetzen, will sie den Bürgern wieder mehr Vertrauen in die Forschung ermöglichen. Erstens sollte sie kontroverse Themen von der Genmanipulation über den Klimawandel bis zur Luftverschmutzung proaktiv angehen und nicht erst initiativ werden, wenn Kontroversen oder Skandale dazu konkreten Anlass bieten.

Zweitens muss man Informationen in Zusammenhänge stellen, um isolierte Betrachtungen zu verhindern, wie es mustergültig die Nationale Akademie, die Leopoldina in Halle, bei ihrem Bericht über das Thema der Schadstoff-Konzentration getan hat. Und drittens sollte Wissenschaftskommunikation nicht nur Ergebnisse vermitteln, sondern auch über Prozesse der Erkenntnis informieren, um die Dynamik wissenschaftlichen Denkens erfahrbar zu machen.

Forschung produziert keine Dogmen, die Glauben und Gehorsam verlangen, sondern ist Teil eines offenen Weges; das macht sie fehlbar und faszinierend zugleich. Die Kommunikation über sie sollte die Bürger in die Lage versetzen, falsche Heilserwartungen zu relativieren, um Enttäuschungen zu vermeiden. Skepsis muss nicht in Widerspruch stehen zum Vertrauen in die Forschung. Sie kann unter Umständen selbst eine wissenschaftliche Haltung sein.