Kollegen, es soll mehr Geld geben! Vielleicht ist das ein Satz, der für Klarheit sorgt wenigstens im engsten Umfeld. Denn wenn die Verwertungsgesellschaft Wort etwas beherrscht, dann ist es das Stiften von Verwirrung. In ihrer Nachricht darüber, warum sie den Autoren das Geld wieder verspätet zahlt, betont sie streng, die Überweisung erfolge wegen eines Rechtsstreits nur unter Vorbehalt! Hoho, denkt der Empfänger kleinlaut: Muss ich womöglich etwas zurückzahlen?

Im Gegenteil! Für Autoren soll es mehr Geld geben, das sagt die VG Wort nur nicht. Den Rechtsstreit hat sie gestern in zweiter Instanz verloren. Nein, Kollegen, es gibt trotzdem nicht mehr Geld – noch nicht. Denn die VG Wort wird vor den Bundesgerichtshof ziehen. So viel vorweg, jetzt die Erklärung. Die VG Wort ist wie die Gema eine Verwertungsgesellschaft. Als Treuhänderin sorgt sie dafür, dass an Journalisten, Schriftsteller, Übersetzer sowie an Verlage Geld fließt, eine Art Tantiemen, wenn deren Werke privat kopiert werden. Kopien sind legal, nicht kostenlos. Der Verbraucher bezahlt sie über eine Steuer auf Speicher- und Kopiergeräte. Die VG Wort verteilt 120 Millionen Euro im Jahr, sie vertritt 400 000 Autoren.

Der Mann, der die VG Wort verklagt, will seine Vergütungen nicht mit seinem Verlag teilen. Sein Argument: Der Verlag ist kein Urheber. Dieser Position gaben die Richter jetzt in zwei Verfahren Recht. Der Kläger Martin Vogel kennt sich aus. Er ist Richter von Beruf, Urheberrechtler beim Europäischen Patentamt und hat vorher beim Patent- und Markenamt gearbeitet, der VG-Wort-Aufsicht. Viele wandten sich empört ab von Vogel: Verdi verweigert den Rechtsschutz. Die VG Wort antwortet nicht, wenn er fragt, wieviel Geld in Gutachten und Prozesse fließt statt auf Konten der Autoren.

Aber war es nicht immer die Praxis, die Verlage an den Vergütungen zu beteiligen? Doch. Nur kam 2002 ein neues Gesetz heraus, das klarstellte, dass diese Ansprüche garantiertes Eigentum des Urhebers sind, ein nicht teilbarer Anspruch. Natürlich träfe es die Verleger hart, die oft viel in die Substanz und Popularisierung ihrer Bücher investieren. Insbesondere kleine Verlage hätten kaum Kompensationsmöglichkeiten. Allerdings können Autoren Vergütungen auch bewusst abtreten, was Martin Vogel nicht getan hatte.

Die Rechtslage jedenfalls scheint in diesem Fall eindeutig. Auch der Europäische Gerichtshof hat längst entsprechend entschieden und dürfte sich kaum selbst widersprechen, wenn er in allerletzter Instanz gefragt wird. Denn dass die VG Wort weiter klagt, hat sie schon vor dem Urteil wissen lassen. Es passiert nicht oft, dass ein Treuhänder mit dem Geld der Urheber so gegen die Interessen dieser Urheber vorgeht.