BerlinEs war der größte Angriff auf Kunst in der nachkriegsdeutschen Geschichte. Anfang Oktober bespritzte ein oder mehrere Täter mindestens 63 antike und andere Kunstobjekte in insgesamt vier Museumseinrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), darunter zahlreiche ägyptische Statuen und Sarkophage sowie griechische Götterbildnisse. Die Waffe: eine ölhaltige Flüssigkeit, wahrscheinlich Olivenöl, wie inzwischen bekanntgegeben wurde

Wie aus einer Detailanalyse, die allen voran die Kulturstaatsministerin Monika Grütters gefordert hatte, hervorging, waren die Videoaufnahmen mehrerer Kameras aus den entsprechenden Häusern zum Tatzeitpunkt nicht gespeichert worden. So weit, so peinlich. Die Kameras, so hieß es in dem aus der Analyse hervorgegangenen Bericht, seien leider „unbemerkt ausgefallen“. Wie der Spiegel berichtete, hatte allerdings Grütters‘ eigene Abteilung bemerkenswerterweise erst im August dieses Jahres einen Antrag der Staatlichen Museen für Infrastrukturmaßnahmen abgelehnt.

In dem Antrag hatte man um 1,3 Millionen Euro zur Verbesserung der Sicherheit in den Museen gebeten. Grütters argumentierte wiederum, dass die SPK 6,4 Millionen Euro an Bauunterhaltsmitteln aus dem Jahr 2019 noch nicht einmal ausgegeben habe. An Geld könne es der Stiftung also nicht mangeln. Beobachter der Debatte mutmaßten, dass Grütters, die zuvor bekanntlich eine Zerschlagung der Stiftung gefordert hatte, den Vorfall nutze, um den Druck auf die SPK zu erhöhen. 

Die Werke in Besitz des Bundes waren nicht versichert

Ein heikler Punkt in der Diskussion war die Angabe der SPK, dass viele der beschädigten Werke nicht versichert gewesen seien. Dies sei beim Bund generell nicht üblich. Michael Kuhn, von der auf Kunst spezialisierte Versicherungsmakler-Gruppe Kuhn & Bülow bestätigte auf Nachfrage der Berliner Zeitung, dass in Deutschland tatsächlich normalerweise nur die Kommunen ihre Bestände versichern, nicht die Bundes- und Landesmuseen. Der Grund sei, vermutet Kuhn, dass entsprechende Versicherungen für derart wertvolle Objekte schlicht zu teuer würden. Dass allerdings auch kommunale Museen in Deutschland an Versicherungen für ihre Dauerbestände sparen, ließe sich inzwischen immer häufiger beobachten. 

Ein prominentes Gegenbeispiel ist die Goldmünze im Bode-Museum, die im März 2017 unter spektakulären Umständen aus dem Museum entwendet und wahrscheinlich anschließend eingeschmolzen wurde. „Die Goldmünze war als Dauerleihgabe über uns versichert“, erzählt Kuhn. Er ist heute optimistisch, dass seine Kanzlei bei dem laufenden Verfahren in der Revision siegen werde.

Prinzipiell würde seine Kanzlei so ziemlich jede Form von Kunst versichern, von archäologischen Objekten über die Werke der alten Meister bis hin zur Gegenwartskunst. „Die Frage ist immer: Wer ist der Spediteur? Wie wird’s verpackt? Was ist das Transportmittel? Das sind Kriterien, die für uns wichtig sind.“ Obwohl in den Medien zwar meist nur von den spektakulären Schäden die Rede ist, sei meist nicht die Restaurierung das Problem, sondern die Wertminderung der betroffenen Kunst durch die entstandenen Schäden.

Wie hoch die entstandenen Schäden im Fall des Anschlags auf die Museumsinsel letztlich sein werden, und ob sie eine Diskussion über die Versicherungspraxis des im Kunstbetrieb entfachen werden, lässt sich derzeit noch nicht sagen.