Die Schriftstellerin und Fußpflegerin Katja Oskamp bei einem Fernsehauftritt.
Foto: ORF/Günther Pichlkostner

BerlinAm Sonnabendmorgen setzte ich mich vor den PC, öffnete die Seite der Investitionsbank Berlin und reihte mich in die virtuelle Warteschlange ein, um den Corona-Zuschuss für Soloselbstständige zu beantragen. Das ganze Wochenende passte ich auf, denn wenn ich erst an der Reihe war, hatte ich bloß 35 Minuten Zeit.

Am Montagmorgen um 9.15 Uhr fuhr ich mit dem Taxi ins Haus des Rundfunks in die Masurenallee. Der Taxifahrer hatte den Antrag auf Corona-Zuschuss auch schon gestellt. Seine sieben Mitarbeiter hatte er nach Hause geschickt. Er würde zwei, drei Monate durchhalten, sagte er, dann sei sein kleines Unternehmen pleite. Wir landeten viel zu früh in der Masurenallee und verabredeten uns für die Heimfahrt um 12 Uhr.

Stress in der Umbaupause

Im kleinen Sendesaal, einem turnhallengroßen Raum mit sehr hoher Decke und sehr hohen Fenstern, gähnte die Leere. Auf zwei Stühlchen in der Ecke hockten verloren der Autor und der Kameramann. Sie hatten ein Tischchen mit Leselampe für mich aufgebaut. Wir machten ein paar Ton- und Bildproben, dann musste ich mich vorstellen: „Ich bin Schriftstellerin und Fußpflegerin und habe ein Buch geschrieben, das heißt ,Marzahn, mon amour. Geschichten einer Fußpflegerin’. Daraus lese ich Ihnen jetzt vor.“ Das tat ich, und ließ mich vom Kameramann in vielen Runden umkreisen.

Während einer kurzen Umbaupause schaute ich auf mein Smartphone. Ich solle, schrieb die Investitionsbank Berlin, sofort auf die Seite zurückkehren, denn ich sei jetzt dran mit meinem Antrag. „Noch vier Minuten!“, rief ich dem Autor und dem Kameramann zu, „Die 5000 Euro! Für Soloselbständige! Der Corona-Zuschuss!“ Beide nickten nur. Schließlich waren auch sie Soloselbstständige, hatten auch sie Nummern in der Warteschlange, warteten auch sie, bis sie an die Reihe kamen.

Kästchen, Häkchen, kleine Flüche

Ich kramte Zettel mit Nummern aus der Hosentasche, fingerte die Bankkarte aus dem Portemonnaie, tippte auf dem Smartphone Buchstaben und Ziffern in Zeilen, füllte Kästchen mit Häkchen, verfluchte dieses blöde Handy mit seinem winzigen Bildschirm und klickte schließlich mit dem Gefühl des Totalversagers auf Senden. „Fertig“, sagte ich, pustete mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und sagte in die Kamera: „Mein Name ist Katja Oskamp. Ich bin Schriftstellerin und Fußpflegerin und habe ein Buch geschrieben, das heißt ,Marzahn, mon amour. Geschichten einer Fußpflegerin’. Daraus lese ich Ihnen jetzt vor.“

Vor dem Haus des Rundfunks wartete pünktlich der Taxifahrer. Während er mich durch die leere Stadt nach Hause fuhr, erzählte ich, dass ich mitten beim Drehen an die Reihe gekommen sei und das Formular ausgefüllt habe. Aber: nichts zum Herunterladen, nichts zum Ausdrucken, keine Bestätigungsmail. Ich fragte mich, ob mein Antrag überhaupt angekommen war. Der Taxifahrer wusste es auch nicht und setzte mich vor der Haustür ab.

30 Stunden später

Am Dienstagnachmittag schaute ich am PC in mein Konto. Zahlungseingang: Glatte 5000 Euro von der Investitionsbank Berlin. Ich war ehrlich verblüfft. 30 Stunden von der Antragstellung bis zur Überweisung. Danke, Klaus Lederer!

Das Format, das wir im Haus des Rundfunks aufgezeichnet haben, heißt übrigens „Der RBB macht Lesungen“. Gute Idee in Zeiten der Ausgangsbeschränkung.