Eine Frau hält ein Plakat auf dem internationalen Frauentag in Istanbul am 8. März 2020 in die Höhe.
Foto imago images/Antoni Lallican

BerlinAus diesem Schreckensjahr 2020 könnte vielleicht doch noch etwas werden. Nachdem der Duden endlich Hinweise zur geschlechtergerechten Sprache gibt und die Bundeswehr Dienstgrade auch für Frauen einführen möchte, hat die Katholische Studierende Jugend (KSJ) jetzt beschlossen, Gott zukünftig nur noch mit Gendersternchen zu schreiben. Also: Gott*.

Oder: Ach, Gott*chen? Die Jugendorganisation der Kirche will so „mit den Vorstellungen vom alten, weißen, strafenden Mann“ aufräumen und „Platz für eine Gottes*vielfalt“ schaffen. Parallel zum neuen Gottes*bild starten die Jugendlichen eine Instagram-Kampagne, fragen dort #whoisgodtoday („Wer ist Gott* heute?“) und verbreiten – für analoge Fans – Postkarten mit konkreten Anliegen wie „Wir fordern die Öffnung aller Weihämter auch für Frauen“.

Und da denkt man immer, die Kirche könne sich nicht reformieren! Dass es im Ansatz eben doch geht, zeigt also jetzt die Jugend. Die Reaktionen im Netz sind erwartungsgemäß zornig bis hasserfüllt. Ein Großteil twitternder Sprachhüter wittert schon Blasphemie und einen Doppelfundamentalismus der katholischen Kirche. Der Verein Deutscher Sprache, ein bekannter Konservierer unserer Muttersprache und Gegner aller Anpassungen geschlechtergerechterer Sprache, fragt sich: „Im Namen des Vaters/der Mutter/des Gottwesens, des Sohnes und des Heiligen Geistes ... – oder wie sollen wir uns den Gottesdienst dann vorstellen?“

Nun gut, der Gottesdienst wird sich auch mit diesem Reformversuch so schnell nicht ändern, das Priesteramt bleibt auch in Zukunft nur Männern vorbehalten und das Vaterunser wird aller Wahrscheinlichkeit nicht neu geschrieben werden. Alles beim Alten in der Kirche also.

Dass selbst jugendliche Katholiken und Katholikinnen versuchen, Gott* sprachlich aus der geschlechtlichen Ebene herauszuheben, ist dennoch ein gutes Zeichen für alle, die für einen Wandel hin zu einer gleichberechtigteren Gesellschaft kämpfen.