Vierte Staffel der Netflix-Serie „Orange Is The New Black“ - Rassismus, Willkür und Tote in Litchfield

Die dritte Staffel der Erfolgsserie „Orange Is The New Black“ endete mit einer Art Erlösung: Dank einer Unaufmerksamkeit schaffen es die Insassinnen des Litchfield-Gefängnisses jenseits des Zauns zu gelangen und in den nahe gelegenen See zu springen. Für einen Augenblick den Knast und die Sorgen vergessen, Spaß haben, wie Kinder im Wasser tollen − der befreiende Moment dauert nur kurz, dann müssen die Frauen zurück hinter Gitter.

Seit wenigen Tagen ist nun bei Netflix die vierte Staffel abrufbar: Und da folgt dem ausgelassenen Badespaß die harte US-amerikanische Knast-Realität. Es wird noch enger in den ohnehin schon beengten Gefängnisräumen, denn Hunderte neue verurteilte Kriminelle warten darauf, ihre Zeit in Litchfield abzusitzen. Joe Caputo (Nick Sandow), der erst kürzlich zum Direktor aufgestiegen ist und sich neuen Aufgaben widmen muss, ahnt schon, welche Folgen die Überfüllung haben wird.

Und die lassen nicht lange auf sich warten: Während sich die Protagonistin Piper Chapman (Taylor Schilling) mit ihrem Unterhöschenschmuggel Konkurrenz einhandelt, muss sich ihre Ex-Geliebte Alex Vause (Laura Prepon) gegen einen Auftragskiller wehren − mit folgenschweren Konsequenzen für das ganze Gefängnis. Unterdessen spitzt sich die Gang-Rivalität zwischen Latinas, Weißen und Schwarzen zu; die Frauen verteidigen ihr erobertes Terrain mit Gewalt und Drohgebaren.

US-Strafvollzug im Fokus

Die neue Staffel kommt in ihren 13 Episoden weitaus politischer und ernster daher als die vorangegangenen Staffeln. Diesmal nimmt Serienschöpferin Jenji Kohan den Strafvollzug in den Staaten genauer unter die Lupe: Missstände, Rassismus und Justizwillkür werden aufgezeigt; die Frauen haben keine Chance auf Rehabilitierung. Stattdessen werden psychisch kranke Frauen ihrem Schicksal überlassen, Gefängniswärter können die Insassinnen folgenlos schikanieren oder sogar sexuell belästigen.

Der skrupellose Gefängnisbetreiber MCC − eine Privatfirma, in Deutschland derzeit nicht vorstellbar (hierzulande sind Gefängnisse staatlich geführt) − offenbart seine inhumane Einstellung gegenüber den Insassen vor allem in der Pressekonferenz in der letzten Episode, die Auslöser für einen gewaltvollen Aufstand der Frauen ist. Wie der ausgeht, wird die fünfte Staffel erzählen.

Zwischen all den ernsten Themen der Dramaserie, die seit 2013 läuft, spielen immer wieder Freundschaften und Beziehungen zwischen den Frauen eine Rolle. Fernab des Knast-Lesben-Klischees sorgen diese persönlichen Momente für eine intime Atmosphäre, die auch auf den Zuschauer übergreift und keinesfalls erzwungen wirkt. Fans von OITNB werden dank drei neuer geplanter Staffeln noch bis mindestens 2019 mit ihren Lieblingscharakteren mitfiebern können.