Das gibt es sonst nicht: Eine Intendantin steht auf der Bühne und spricht von Widerstand, redet davon, wofür dieses Theater kämpfe, ohne Wenn und Aber, ohne jede Einschränkung: für die offizielle Anerkennung des Völkermords an den Armeniern. Ja, dergleichen gibt es nur am Gorki: Shermin Langhoff, die Intendantin, erhebt ihr Theater zum Tempel des Widerstands.

Der Stolz dringt aus jeder Silbe. Sie begrüßt aufgeregt „die vielen Parlamentarier“ im Publikum, bekannte Künstler, berühmte Freunde. Es folgt: eine Rede des Journalisten Harout Ekmanian. Er spricht über diesen Völkermord, begangen von der jungtürkischen Regierung des Osmanischen Reichs vor 100 Jahren. Er erinnert an jene große Katastrophe, die von der türkischen Regierung noch immer nicht als solche anerkannt wird: „Ein Jahrhundert ist vergangen – so wenig hat sich geändert.“ Aber wie düster die Situation heute auch aussehen möge, sagt er, „die Kräfte für Frieden und Gerechtigkeit sind stärker“. Er ruft zum gemeinsamen Kampf gegen Rassismus, „für die Wiederherstellung der Menschenrechte und Würde“. Applaus. Bewunderung. Allseitige Zustimmung.

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