Anja Rützels Kolumne: Schade Marmelade

Kim Kardashian sammelt Diana-DNA, Shakira ermittelt im eigenen Kühlschrank, und ein totgeglaubter Millionär spukt herum: Das war die Woche auf dem Boulevard.

Lady Marmalade: Shakira
Lady Marmalade: Shakiradpa

Frau Rützel, wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?

Kim Kardashian. Wobei ich eher neidisch als wütend war: Sie hat nämlich ein Schmuckstück ersteigert, das bei diversen Anlässen von Prinzessin Diana getragen wurde. Ich finde das sogenannte Attallah-Kreuz, ein mit Diamanten und Amethysten besetzten Kettenanhänger, zwar eher schwierig zu kombinieren, wenn man nicht gerade in einem Retro-Video von Madonna mitspielt, aber mit den entsprechenden Feinstwerkzeugen könnte man davon bestimmt noch Reste von Diana-DNA abspachteln, sowas hätte ich gern in meiner royalen Devotionaliensammlung.

Kim bezahlte für das Kreuz beim Auktionshaus Sotheby’s rund 186.660 Euro, und das geht ja eigentlich noch. In ihrer Sammlung von Superpromischmuck hat sie schon drei Armbänder von Elizabeth Taylor und eine goldene Cartier-Uhr der ehemaligen First Lady Jacky Kennedy. Ich hingegen besitze nur eine Gabel, mit der David Hasselhoff mal gesessen hat; eine Bekannte saß im Restaurant am Nebentisch und klaute mir das Besteck auf meine fernmündliche Anweisung hin.

Sie interessieren sich ja auch für das Detektivhandwerk. Darum haben Sie sich sicher gefreut, dass Shakira ihren Ex-Freund, den Fußballer Gerard Piqué, mit echtem Ermittlerinnengeschick der Untreue überführt hat.

Das war tatsächlich meine Lieblings-Prominews der zu Ende gehenden Woche, ich liebe alles daran. Shakira und Piqué trennten sich im vergangenen Sommer, und schon damals wurde gemunkelt, er könnte sie womöglich betrogen haben. Nun weiß man auch, wie sie ihn überführte: Shakira war auf Tour, kam irgendwann wieder nach Hause – und fand im Kühlschrank ein geöffnetes Glas ihrer Lieblings-Erdbeermarmelade. Allerdings mögen Piqué und die beiden gemeinsamen Kinder überhaupt keine Erdbeermarmelade, und Shakira war sich sicher, dass sie das Glas noch nicht angebrochen hatte – zack, erwischt!

Mit entsprechend geschmeidigem Hirn hätte man sich wohl auch unter dieser Indizienlast noch herauswieseln können – Piqué hätte behaupten können, er habe mit der Marmelade ein armes, verlassenes Hundewelpchen gefüttert, das er am Straßenrand aufgesammelt hatte, oder er habe versucht, mit dem pappigen Aufstrich notdürftig seine beschädigte Schuhsohle wieder festzukleben. Anscheinend fiel ihm auf die Stelle aber nichts Passendes ein, Pech gehabt. Shakira hat ihren Ermittlungserfolg anscheinend auch schon kreativ verarbeitet: im Video zu ihrem Lied „Te Félicito“, den sie mit dem Sänger Rauw Alejandro aufnahm, geht sie in einer Szene zum Kühlschrank, öffnet ihn – und findet darin den Kopf ihres Gesangspartners. Classy und subtil zugleich.

Anja Rützel und Hund Juri
Anja Rützel und Hund Juriprivat

Es kommt einem wie eine halbe Ewigkeit vor, dass die ganze Welt im „Tiger King“-Wahn war, tatsächlich lief die Netflixdokuserie erst 2020. Nun scheint sich ein Real-Life-Plot-Twist anzubahnen: Der totgeglaubte Exmann von Carole Baskin wurde wohl quicklebendig in Costa Rica gesichtet.

Bei mir hat diese Meldung auch wohlige Nostalgiegefühle an die Zeit des ersten Lockdowns geweckt, als wir noch nicht ahnten, in welchen Schlamassel wir gerade hineinschlidderten. Ich wäre nach diesen Neuigkeiten jedenfalls bereit für einen dritten Teil, obwohl ich zugeben muss, dass ich nicht unbedingt an die Unschuld der Crazy Großkatzenlady geglaubt habe – Joe Exotic, die tragische Hauptfigur, war ja fest davon überzeugt, dass Carole Baskin ihren Mann, den Millionär Don Lewis, umgebracht hätte; 2002 wurde der Verschollene für tot erklärt. Wem das nun alles zu verworren klingt: Es ist nie zu spät, die „Tiger King“-Saga noch nachzuarbeiten.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Wie so oft weiß man es nicht genau. Gut möglich, dass sie vergangene Woche ebenso verblüfft wie das Restpublikum bei „Deutschland sucht den Superstar“ zuhörte, als der Kandidat und Krankenpfleger Ange-Bienvenue Tajo erzählte, er singe seinen Patienten oft die Lieder „Atemlos durch die Nacht“ und „Herzbeben“ vor. Dabei habe er festgestellt, dass sich der Gesundheitszustand mancher verbessere. Was dabei mit den anderen passiert, blieb ungesagt.


Die Fragen stellte Christian Seidl.

Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung am Wochenende beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.