Anja Rützels Kolumne: Verschone uns, Harry!

König Charles III. würde etwas mehr Sentimentalität gut stehen, Prinz Harry spricht höchstpersönlich seine Biographie ein, und Kanye West ist erledigt.

Prinz Harry
Prinz HarryAP/Kirsty Wigglesworth

Frau Rützel, wer hat sie diese Woche wütend gemacht?

Martin Fuhsy, ein klassischer, also inhaltlich und vom dramaturgischen Potenzial her nicht weiter bemerkenswerter Trash-TV-Kandidat, den man mit etwas Pech bei der TV-Programmwahl von der Fummelinsel „Love Island“ kennt und der zuletzt bei „Are you the one VIP“ zu sehen war. Er macht mich wütend, weil er anscheinend Reality und Realität nicht auseinanderhalten kann: Zahlreiche Frauen werfen ihm vor, er habe sie in Clubs und auf Social Media belästigt, teilweise auch begrabscht. Nachdem Kate Merlan, bekannt aus vergleichbaren Sternstunden der leicht angeranzten Fernsehunterhaltung, auf Instagram erzählte, wie Fuhsy sie in einem Kölner Club übergriffig einfach geküsst hatte, meldeten sich immer mehr Betroffene mit ähnlichen Erlebnissen. Am zornigsten macht mich bei dieser Sache, dass man nun keineswegs sicher sein kann, Fuhsy in Zukunft in keinem weiteren Baggerformat zu sehen – die Fernsehproduktionen erweisen sich ja leider immer wieder als ziemlich moralflexibel, was die Wahl ihrer Protagonisten und Protagonistinnen angeht.

Anja Rützel und Hund Juri
Anja Rützel und Hund Juriprivat

Nach diversen Gemälden traf es vergangene Woche auch König Charles III. Umweltaktivisten der Gruppe „Just Stop Oil“ haben seine Wachsfigur im Londoner Madame Tussauds mit Torten beschmiert, um gegen die Ölförderung zu protestieren. Wie finden Sie als Royal-Sympathisantin diese Aktion?

Ehrlich gesagt: Das passt mir ganz gut in den emotionalen Kram, denn ich war eh gerade sauer auf Charles. Er verhökert nämlich demnächst 14 der Rennpferde, die er von Queen Elizabeth II. geerbt hat, bei einer Auktion. Das ist erstmal nichts Ungewöhnliches, weil die Queen als passionierte Pferdezüchterin natürlich auch regelmäßig Pferde verkaufte. Dass Charles aber ausgerechnet die Pferde Love Affairs und Just Fine verkaufen will, finde ich geradezu skandalös: Das erste Tier schenkte der Queen zwei Tage vor ihrem Tod ihren letzten Sieg bei einem Rennen, das zweite Pferd gewann Charles seinen ersten Titel als König. Ein bisschen mehr Sentimentalität würde ihm gut zu Gesicht stehen, finde ich.

Andererseits könnte ein gewisses Maß an Herzensverhärtung auch ganz praktisch sein, denn schließlich soll nun Anfang Januar tatsächlich die Autobiographie von Prinz Harry erscheinen, und darin werden sein Vater und der Rest der Royal Family höchstwahrscheinlich nicht gut wegkommen. Werden Sie das Buch lesen?

Ich habe mir sogar schon das Hörbuch vorbestellt, denn das soll Harry wohl höchstpersönlich einlesen, und so kann ich auch wirklich das größtmögliche Wutpotenzial bei mir abschöpfen. Allein der Titel macht mich ja schon wild: „Spare“, auf deutsch ungefähr so viel wie „Ersatz“ oder „Reserve“ – damit spielt er auf seine Rolle in der Königsfamilie an, in der es eben William, dem heir, dem Erben und Thronfolger, eben auch einen spare, also Harry gab. Das klingt schon so weinerlich und privilegienvergessen, dass ich die Reaktion vieler Twittermenschen nachvollziehen konnte, die die Buchankündigung unter dem Hashtag #SpareUs (Verschone uns) kommentierten.

Sie hatten wirklich keine leichte Woche, denn auch Kanye West bot wieder reichlich Grund, auf ihn zornig zu sein. Nach seinen antisemitischen Hasskommentaren wurden nun neue Details seiner offenbar schwerst menschenverachtenden Gesinnung bekannt.

Am meisten schockierte mich, dass er sein Album „Ye“ von 2018 wohl tatsächlich gerne „Hitler“ genannt hätte. Das ließ sich der Nachrichtensender CNN von vier verschiedenen Quellen bestätigen. Demnach sei West komplett fasziniert von Adolf Hitler, dem er regelmäßig flammende Lobeshymnen widme. „Ist Kanye West erledigt?“, fragte der Telegraph in einer Überschrift, und die Antwort ist natürlich: Ja, bitte.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Wie so oft weiß man das mal wieder nicht ganz genau, und ich bin gerade auch ganz froh um ihre private Verschwiegenheit. Immerhin ist sie diese Woche damit einer der wenigen prominenten Menschen, die mich nicht komplett rasend gemacht haben.

Die Fragen stellte Christian Seidl.

Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung am Wochenende beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.