Anna Sorokin, 30, ist knapp einen Monat nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis schon wieder in Haft. Diesmal sitzt die Deutsche im Knast der amerikanischen Einwanderungs- und Zollbehörde ICE ein. Der Grund: Ihr Visum ist abgelaufen. Sorokin sollte eigentlich sofort nach Deutschland ausgewiesen werden. Doch wie die New York Post berichtet, hat ihr Anwalt dagegen Einspruch erhoben. Mit einer richterlichen Entscheidung dürfe frühestens in einer Woche zu rechnen sein.

Sorokin: „Wie bekomme ich, was ich will, ohne etwas dafür zu geben?“

Sorokin war 2019 von einem New Yorker Gericht schuldig gesprochen worden, weil sie sich in der High Society von Manhattan als angebliche Millionenerbin Anna Delvey Leistungen im Wert von 275.000 Dollar (rund 220.000 Euro) erschlichen hatte. Sie lebte in luxuriösen Hotelsuiten, flog in Privatjets, feierte in Nobelrestaurants. Außerdem versuchte sie, eine Mischung aus Nachtclub und Kunstgalerie zu gründen und dafür 22 Millionen Dollar zu leihen – mit gefälschten Dokumenten.

Wegen einer nicht gedeckten Hotelrechnung flog Sorokin schließlich auf. Sie hatte eine Freundin mit 67.000 Dollar sitzen gelassen, die deswegen die Behörden einschaltete. Es kam also zum Prozess und Sorokin wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt – allerdings wegen guter Führung im Februar vorzeitig freigelassen. Und da Netflix ihr Leben verfilmen wollte und 320.000 Dollar Beraterhonorar gezahlt hatte, konnte sie ihre Schulden begleichen und ihr Luxusleben wieder aufnehmen.

Die bei Moskau geborene und im deutschen Eschweiler aufgewachsene Sorokin war 2015 nach New York gekommen. Die Chancen der Tochter eines russischen Lkw-Fahrers, in ihrer amerikanischen Wahlheimat zu bleiben, dürften sehr gering sein, weil sie nur als Touristin in die USA eingereist war und nun auch noch vorbestraft ist. Wie auch immer, Sorokin kann als nahezu perfekte Verkörperung nicht nur des New Yorker Start-up- und sonstigen Jetsets gelten: You fake it till you make it.

Dabei ist sie erstaunlicherweise nicht nur in Manhattans High-Society nach diesem Motto verfahren, sondern auch im Gefängnis, wie sie nach ihrer Entlassung erzählte. „Ich sah es als eine intellektuelle Herausforderung: wie ich die Dinge bekomme, die ich wollte, ohne etwas dafür zu geben“, so Sorokin in einem Interview nach ihrer Entlassung. Auch Wärter waren nur allzu willig: „Ich fand es interessant, wie das Personal bereit war, Dinge für mich zu tun, ohne eine Gegenleistung zu verlangen.“