Nura al-Matruschi, 28, soll für ihr Land in den Weltraum fliegen und dient damit gleich mehreren Propagandazwecken: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) lassen sie nach eigenen Angaben als erste arabische Frau zur Astronautin ausbilden. Das lässt sich schon einmal als emanzipatorischer Fortschritt feiern. Und als Beweis für eine wissenschaftlich-technische Ambition, gewissermaßen als Modernitätsbeweis.

Katastrophale Lage der Frauen- und Menschenrechte in dem Golfstaat

Und so ließ es sich der emiratische Vizepräsident und Emir von Dubai, Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum, nicht nehmen, die frohe Botschaft per Twitter zu verkünden: Al-Matruschi sei gemeinsam mit einem Kollegen aus mehr als 4000 Bewerbern für ein Programm der US-Raumfahrtbehörde Nasa ausgewählt worden. „Wir zählen darauf, dass sie den Namen der Emirate in den Himmel heben.“

Die Emirate treiben ihr Raumfahrtprogramm also intensiv voran. Kürzlich erreichte die erste Raumsonde der VAE – und damit die erste aus einem arabischen Land – den Mars. So sollen Investoren aus dem Ausland angelockt und auch das Image des Landes aufpoliert werden. Doch sollte all der Glanz nicht über die katastrophale Lage der Frauen- und Menschenrechte in dem schwerreichen Golfstaat hinwegtäuschen.

Und Dubais Scheich, der sich als großer Förderer der Raumfahrt in seinem Land gibt, sorgte zuletzt wegen seines brutalen Umgangs mit den Töchtern Latifa, 35, und Schamsa, 39, für internationale Schlagzeilen. Latifa wird seit einem Fluchtversuch im Februar 2018 in einer Villa von ihrer Familie festgehalten. Erst am Freitag hat das UN-Menschenrechtsbüro in Genf erneut ein Lebenszeichen von ihr und direkten Zugang verlangt.

Die gleiche Forderung gilt auch für Schamsa. Sie wurde bereits vor über 20 Jahren aus dem britischen Cambridge entführt und nach Dubai zurückgebracht – und ist seitdem nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden. Ein Richter am Obersten Gerichtshof in London hatte 2019 den Emir von Dubai für die Entführung beider Töchter sowie für die Einschüchterung einer seiner Ehefrauen verantwortlich gemacht.

Ausbildung in den USA, Flug zur ISS: eine erfolgreiche Frauenkarriere

Der Lebenslauf der angehenden Astronautin Al-Matruschi sieht deutlich anders aus. Sie studierte Maschinenbau, heißt es auf der Homepage des Scheichs von Dubai. Sie und ihr emiratischer Kollege Mohammed al-Mulla würden am amerikanischen Johnson Space Center in bemannter Raumfahrt und Raumfahrtforschung geschult. Auch ein Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation ISS sei Teil der Ausbildung.

Nach Angaben des emiratischen Raumfahrtprogramms seien ein Drittel der Bewerber für das Nasa-Ausbildungsprogramm in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Arabischen Emirate Frauen gewesen. Die Bewerber durchliefen demnach ein mehrstufiges Verfahren unter anderem mit Intelligenztests, medizinischen Untersuchungen und Interviews.