Lena Meyer-Landrut, 30, hat es ins brandenburgische Zossen verschlagen, genauer gesagt auf das Gelände einer Kiesgrube. Dorthin war die Sängerin nach einer etwas längeren Corona-Pause aber nicht zum Zwecke der Baustoff-Förderung gereist, sondern um vor sandiger Kulisse ihre erste eigene Modekollektion vorzustellen. Die Musikerin macht es wie viele ihrer prominenten Kollegen – eine eigene Fashion-Linie scheint in der Promiwelt fast schon zum guten Ton zu gehören.

Und es kann sich lohnen: Gwen Stefani, die seit 2003 unter ihrem eigenen Label L.A.M.B. Mode, Schuhe, Taschen und Accessoires vertreibt, schrieb zwischenzeitlich  Millionenumsätze, Stars wie Teri Hatcher, Nicole Kidman, Paris Hilton und natürlich Stefani selbst trugen ihre Produkte marktwirksam in der Öffentlichkeit. Auch Kim Kardashian, Beyoncé, Rihanna oder Sarah Jessica Parker machten sich mit Modelabels oder Kollaborationen einen Namen. Hierzulande vermarkten viele Promis ihre Outfits über das Online-Modeunternehmen About You, Lena Gercke etwa hat dort seit 2019 ihre eigene Fashion-Marke LeGer.

Gängigen Schönheitsidealen entgegenstellen

Auch Lena Meyer-Landrut arbeitet für den Vertrieb der rund 90 Teile ihres Labels A lot less mit dem Unternehmen zusammen. Die Shirts, Hoodies, Tops, Kleider und Hemden, die größtenteils in gedeckten Farben, pastellig und in Naturtönen daherkommen, seien für jeden Körpertyp von XS bis XXXL gedacht und sollten sich gängigen Schönheitsidealen entgegenstellen, sagte die ESC-Gewinnerin von 2010 bei der Vorstellung der Kollektion. „Ich persönlich empfinde den gesellschaftlichen Druck bei modischen Fragen nicht so sehr, weil ich mich davon lösen kann. Aber es gibt diesen gesellschaftlichen Druck auf jeden Fall noch. Es braucht sehr viel Bewusstsein für sich selber, um sich davon zu lösen“, so Meyer-Landrut gegenüber der dpa.

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Ein Model beim Launch des Modelabels von Lena Meyer-Landrut

Ihre Kollektion vermarktet die gebürtige Hannoveranerin natürlich auch auf Instagram. Seit vielen Monaten habe sie daran gearbeitet, sie wolle die Fashionwelt „ein klitzekleines bisschen besser machen“. Hoch gesteckte Ziele, die sich vor allem auf ein Thema beziehen, das in der Modewelt seit Jahren gebetsmühlenartig vor sich hergetragen und dabei doch längst nicht von allen eingehalten wird: Nachhaltigkeit.

Und so gibt sich auch Meyer-Landrut verhalten: „Nachhaltige Mode ist ein riesengroßes Thema, aber auch sehr komplex und teilweise undurchsichtig. Ich finde es schwer, es zu hundert Prozent im Alltag umzusetzen. Mir persönlich gelingt das definitiv nicht.“ Ihre Kollektion aber bewirbt sie genau unter diesem Stichwort.

Auf Instagram gibt es dafür auch Kritik: „Erfährt man auch irgendwo etwas über die Produktionsbedingungen? Gibt es irgendwelche Siegel, die bestätigen, dass das wirklich fair produziert wurde?“, fragt eine Nutzerin. Diese Transparenz, von der gesprochen wird, fehle ihr auf der Website noch. Elasthan sei nicht gerade ein nachhaltiges Material, bemängelt eine andere Kommentatorin, „und Bio-Baumwolle allein macht ein Kleidungsstück noch nicht fair.“

Auf der Website von About You sind aber zumindest die Materialien und auch die Herkunft der Kleidungsstücke verzeichnet. Länder wie Italien und Bulgarien werden dort genannt. Das Unternehmen verweist darauf, dass die Kollektion der Musikerin zu einem hohen Teil aus nachhaltigen Materialien wie Bio-Baumwolle oder Leinen besteht.

Haben wir es hier also tatsächlich mit fairer Mode zu tun oder mit einem Fall von Greenwashing? Prominente müssen in jedem Fall mit Widerspruch rechnen und würden gut daran tun, diesen so transparent wie möglich zu entkräften. Verkaufen können sich die Teile des bekannten Namens wegen aber so oder so. Und in Sachen Nachhaltigkeit gibt es ja viele Möglichkeiten. Eine Instagram-Kommentatorin schlägt unter Meyer-Landruts Werbevideos vor: „Nachhaltig ist nur weniger zu shoppen! Kauft weniger!“