Anja Rützels Kolumne: Seltsammann als Petfluencer

Michael Wendler missglückt ein Instagram-Comeback, und Michelle Obama verrät Geheimnisse aus ihrer Ehe: die Woche auf dem Boulevard.

Die ehemalige First Lady in Plauderlaune
Die ehemalige First Lady in Plauderlauneimago

Frau Rützel, wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?

Michael Wendler, der früher mal durch unangenehme Rummelplatzschlager aufgefallene und nun dank verblüffenderweise noch viel unangenehmeren Verschwörungs-Geschwurbels glücklicherweise weitgehend in der Versenkung verschwundene Seltsammann. Er versuchte vergangene Woche ein Instagram-Comeback, nachdem sein ursprünglicher Account dort wegen seiner komplett entgleisten KZ-Vergleiche während der Corona-Pandemie gelöscht worden war. Für seine weihnachtliche Rückkehr benutzte er – nicht ohne komödiantische Tragik – das Instagram-Profil der beiden Hunde, die er zusammen mit Ehefrau Laura hält. Wendler löschte sämtliche Tierfotos und benannte den Petfluencer-Account um. Die Freude über diese ausgebuffte Großtat währte allerdings nur kurz, denn Instagram löschte kurz darauf auch dieses Profil. Ich war natürlich extra-empört, dass Wendler sich am digitalen Eigentum von Tiger und Smoke vergriffen hat – wenn etwas gegen das Wohl lieber Hunde geht, kenne ich bekanntlich keinerlei Toleranz.

Michelle Obama zeigt ähnliche Härte, wenn es um die Bilanz ihrer Ehe mit Barack geht, dem ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Sie erklärte nun, sie habe ihn zehn Jahre lang nicht ausstehen können. Wie fällt Ihre paaranalytische Ferndiagnose aus?

Ich begrüße als erklärte Eheskeptikerin natürlich alles, was die träumerlemäßige Verklärung dieses für mich fragwürdigen Zustands entzaubert. Allerdings staunte ich tatsächlich auch über Michelles Offenheit, mit der sie in der Talkshow „Revolt“ über die unerfreulicheren Aspekte ihrer Ehe sprach. „Die Leute denken, ich sei gemein, wenn ich das sage. Aber es gab zehn Jahre, in denen ich meinen Mann nicht ausstehen konnte“, sagte sie. Das seien vor allem die frühen Jahre mit ihren Töchtern gewesen, als ihr Mann seine Arbeit, seine Reisen und seine Hobbys weitgehend unbehelligt von Care-Arbeit habe fortsetzen können, während sie sich mühte, gleichzeitig Anwältin und Mutter zu sein. „Zwei Leben zusammenzubringen ist eines der schwierigsten Dinge“, sagte die ehemalige First Lady; diesen Satz finde ich sehr schlau. Und ich mag ihren Pragmatismus: Barack und sie seien jetzt 30 Jahre verheiratet, und dafür nehme sie auch zehn schlechte Jahre in Kauf, sagte sie – andere Leute würden dagegen schon nach fünf Jahren aufgeben.

Anja Rützel und Hund Juri
Anja Rützel und Hund Juriprivat

Bei Kim Kardashian und Kanye West dauerte es immerhin knapp acht Jahre, bis ihre Ehe geschieden wurde. Den gemeinsamen Kindern zuliebe singe sie auch nach den antisemitischen Ausfällen ihres Exmannes immer noch seine Lieder im Autoradio mit, erzählte sie jetzt.

Diese Vorstellung finde ich sehr schräg – völlig ungeachtet der eigenen Gefühle mitträllern müssen, wenn die Kinder die Lieder ihres Vaters singen wollen. Mich faszinierte vergangene Woche allerdings noch eine andere Kim-Neuigkeit. In einem Podcast erzählte sie, dass ihre Angestellten bei ihrer Kleidung während der Dienstzeiten nur aus einer bestimmten Farbpalette wählen dürfen: Grautöne, Schwarz, Dunkelblau, Weiß, Cremefarben und Khaki seien demnach von ihr genehmigte Farben, allerdings dürften die Outfits keine zu starken Kontraste bilden. Im Prinzip geht es bei ihr daheim also zu wie bei den britischen Royals, wenn man Meghans Netflix-Erzählungen glauben mag: Der Herzogin von Sussex zufolge habe sie während ihrer aktiven Royalzeit keine leuchtenden Farben tragen dürfen, um nicht von ranghöheren Mitgliedern der Königsfamilie abzulenken. Es ist übrigens absolut unwahr, dass ich seit der Ausstrahlung der Harry-Meghan-Enthüllungen sehr viel Zeit damit verplempert habe, mich durch royale Bildergalerien zu klicken und Meghans nicht existente, knallbunte Outfits zu zählen.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Ich kann es natürlich nicht wirklich verbürgt bestätigen, aber ich hoffe sehr, eine wahrheitsgemäße Vorstellung davon zu haben, was sie morgen Abend nicht machen wird: sinnlos herumböllern nämlich und arglose Tiere damit in Todesangst versetzen. Ich erwähnte es eventuell schon mal: Wenn es um Hunde geht, kenne ich kein Pardon.

Die Fragen stellte Christian Seidl.

Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung am Wochenende beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.