John Ouderkirk ist ein erfahrener Mann. Er hat bereits in vielen Fällen als Unparteilicher fungiert, hat nicht nur in langwierigen, komplexen Zivilsachen vermittelt, sondern auch familienrechtliche Prozesse geleitet. Richter Ouderkirk ist bekannt für seinen geschickten Umgang mit hochsensiblen, emotionalen Fällen – nicht umsonst haben ihn Angelina Jolie, 45, und Brad Pitt, 57, einst für ihre Belange im Sorgerechtsstreit ausgewählt. Als Vermittler, der ihre Privatsphäre wahren sollte. Doch inzwischen ist zumindest Jolie nicht mehr zufrieden mit ihrer Wahl, mit dem Mann, der einst am Obersten Gericht des Verwaltungsbezirks Los Angeles tätig war und eigentlich längst seinen wohlverdienten Ruhestand genießt. Jolie aber, die den Richter nach der Trennung selbst privat bestellt hatte, versucht nun, ihn austauschen zu lassen.

Laut Jolie habe sich Ouderkirk geweigert, Beweise zu hören, die ihrer Meinung nach für die Sicherheit und das Wohlergehen ihrer Kinder relevant sind. Doch Ouderkirk hat im Sorgerechtsstreit des einstigen Hollywood-Traumpaares eine Entscheidung getroffen – und diese fiel zugunsten von Brad Pitt aus. Laut Gerichtsunterlagen von Pitts Anwälten, die die Nachrichtenagenturen dpa und AFP einsehen konnten, traf der Richter die vorläufige Entscheidung, dass die Sorgerechtsvereinbarung für die sechs Kinder des Paares auf Pitts Wunsch hin geändert werden muss. Es heißt, Jolies Einwände und weitere Verzögerungen bei der Einigung würden „den Kindern schweren Schaden zufügen, denen Beständigkeit und Stabilität weiter verweigert wird“.

Imago
Ein Bild von 2011: Angelina Jolie und Brad Pitt mit ihren Kindern.

Die beiden Hollywood-Schauspieler, die sich bei den Dreharbeiten zum Film „Mr. & Mrs. Smith“ im Jahr 2005 kennengelernt und nach langjähriger Beziehung 2014 geheiratet hatten, streiten seit Jahren um das Sorgerecht für die drei leiblichen und drei adoptierten Kinder. 2018 verkündeten sie zunächst eine gütliche Einigung. Damals hieß es, man sei außergerichtlich übereingekommen, zum Wohle der Kinder. Nach der Trennung 2016 hatte Pitt die Kinder zunächst nur noch unter Aufsicht sehen dürfen, während Jolie das alleinige Sorgerecht gefordert hatte. Zwei Jahre später war erst davon die Rede, die beiden würden sich das Sorgerecht teilen – und später nur noch davon, dass der Vater die Kinder doch zumindest öfter sehen dürfe. Wie die derzeitige Sorgerechtsregelung  aussieht, ist unklar, da das Gericht die meisten Akten versiegelt.

FBI hatte Ermittlungen gegen Pitt wegen Kindesmisshandlung eingestellt

Doch von Einigung kann offenbar keine Rede sein. US-Medien zufolge will Pitt das gemeinsame Sorgerecht für die Kinder, während Jolie auf dem alleinigen Sorgerecht besteht. In der Gerichtsakte heißt es, der Richter habe festgestellt, dass Jolies Aussage „in vielen wichtigen Bereichen nicht glaubwürdig war und die bestehende Sorgerechtsentscheidung zwischen den Parteien auf Wunsch von Herrn Pitt im besten Interesse der Kinder geändert werden muss“. Jolie hatte im September 2016 die Scheidung eingereicht – nach zweijähriger Ehe und insgesamt elfjähriger Beziehung. Vor zwei Jahren wurde das Paar offiziell geschieden. 

Medienberichten zufolge sorgte Jolie sich wegen Pitts Cannabis- und Alkoholkonsum und damit einhergehenden Wutanfällen um das Wohl der Kinder. Jolie warf Pitt unter anderem vor, eines der Kinder auf einem Flug von Frankreich nach Los Angeles geschlagen zu haben. Die Bundespolizei FBI stellte ihre Ermittlungen gegen Pitt wegen Kindesmisshandlung jedoch ein.

Warum John Ouderkirk eine Ausweitung der Sorgerechte für Pitt nun als gerechtfertigt ansieht, ist nicht bekannt. Die neue Regelung ist noch nicht rechtlich bindend, Jolie legte Einspruch ein. Die gemeinsamen Kinder sind mittlerweile zwischen zwölf und 19 Jahre alt. Mit 19 ist der älteste Sohn Maddox inzwischen nicht mehr Teil der Sorgerechtsstreitigkeiten.