Britney Spears, 39, hatte sich am Mittwoch vor Gericht viel vorgenommen, es sollte der Kampf ihrer Lebens werden. Mit einer großen Bitte, beinahe flehentlich wandte sie sich an Richterin Brenda Penny, sie endlich aus der Vormundschaft ihres Vaters James Spears zu entlassen. Die Sängerin war der Anhörung per Telefon zugeschaltet. Sie redete schnell, verhaspelte sich immer wieder und stolperte manchmal über ihre eigenen Notizen. Gleich zu Beginn bat Spears um Verständnis: „Ich habe viel zu sagen, bitte geben Sie mir die Gelegenheit. Ich glaube nicht, dass man mir überhaupt zugehört hat, als ich das letzte Mal vor Gericht war. Ich bin hier, um nicht mehr die Sklavin von anderen zu sein.“

„Ich habe etwas vorgespielt, doch jetzt sage ich die Wahrheit.“

Zum ersten Mal in ihren 13 Jahren als Mündel ihres Vaters wandte sich Spears persönlich an das Gericht. Sie erklärte, dass sie nicht gewusst habe, jederzeit einen Antrag stellen zu können, um die Vormundschaft zu beenden. „Ich bin so wütend, dass es verrückt ist, und ich bin depressiv – ich weine jeden Tag.“ Spears korrigierte damit auch das Bild, das sie in ihren Social-Media-Postings von sich gegeben hatte: „Ich habe gelogen, in dem ich der ganzen Welt gesagt habe, dass alles okay ist und ich glücklich bin. Es war eine Lüge. Ich habe mir selbst etwas vorgemacht, weil ich im Schockzustand war. Ich bin traumatisiert. Ich habe etwas vorgespielt, doch jetzt sage ich die Wahrheit.“

AFP/Mona Edwards
Die Zeichnung zeigt Richterin Brenda J. Penny am 23. Juni bei der Anhörung in Los Angeles. Die Teilnehmer sind per Video-Call zugeschaltet.

Der Auftritt vor dem Gericht in Los Angeles wuchs sich unterdessen zu einer Generalabrechnung aus. Spears wetterte gegen „die Leute, denen ich nichts schulde und die auf meine Kosten leben“. Damit meinte sie nicht nur ihren ihren Vater, sondern auch alle jene, die der Bundesstaat Kalifornien als Hilfe zur Seite gestellt hatte: „Sie werden von meinem Geld bezahlt und haben mein Leben nur noch komplizierter gemacht. Ich will jetzt einfach mein Leben zurück. Es sind 13 Jahre und es ist genug.“ Deshalb so Spears, sei es so wichtig, endlich vom Gericht angehört zu werden: „Einfach um nicht verrückt zu werden, musste ich es mir von der Seele reden. All die Wut in mir rauslassen!“

„Ich will, dass die Leute genau hören, was ich zu sagen habe.“

Doch Spears kam immer wieder auf ihren Vater zurück. Sie beklagte sich bitterlich, dass er darauf bestanden habe, sie zu Therapeuten in deren Praxis zu schicken: „Ich wollte die Paparazzi vermeiden und die Therapie zu Hause machen. Doch mein Vater trifft jede Entscheidung für mich. Er liebt die Kontrolle, die er über mich hat. Er liebt es!“ Selbst gegen ihre Entscheidung, ihre Spirale entfernen zu lassen – „weil ich die Möglichkeit haben will, noch ein Kind zu bekommen“ – legte Jamie Spears sein Veto ein. Britney: „Er will heiraten und noch einmal ein Kind bekommen. Doch er will nicht, dass ich noch ein Baby habe.“

Nach einer 20-minütigen Pause ergriff James Spears’ Anwältin Vivian Lee Thoreen das Wort: „Meinem Mandanten tut es sehr leid, den Schmerz seiner Tochter zu sehen. Er liebt sie sehr und vermisst sie.“ Auch die Anwälte von Jodi Montgomery, die zusammen mit dem Vater die geschäftliche Vormundschaft ausübt, meldeten sich zu Wort: Sie wollten das Transkript der Anhörung versiegeln lassen – „weil wir hier private medizinische Dinge von Britney besprechen.“

Doch davon wollte Britney Spears nichts wissen: „Sie alle haben es bislang ziemlich gut hinbekommen, mein Leben für ihre Zwecke zu missbrauchen. Deshalb sollte alles, was hier gesagt wird, auch an die Öffentlichkeit gehen. Ich will, dass die Leute genau hören, was ich zu sagen habe.“ Sie verglich ihre Betreuung mit Zwangsprostitution und Menschenhandel. „Man wird zur Arbeit gezwungen und muss sämtliche Besitztümer wie Kreditkarten, Geld, Handy und Reisepass abgeben.“

Zum Ende bedankte sich die Richterin für Spears’ Mut, offen zu sprechen: „Es war viel Courage nötig, um zu sagen, was Sie heute sagten.“ Sie werde auf einen Antrag von Spears’ Anwalt auf Beendigung der Vormundschaft warten. Samuel D. Ingham III kündigte an, die entsprechenden Schritte einzuleiten, allerdings werde es keine weiteren Stellungnahmen seiner Mandantin geben. „Sie hat heute alles gesagt, was sie öffentlich sagen konnte … Das weitere Verfahren ist vertraulich.“

Die nächste Gerichtsanhörung ist für Mitte Juli angesetzt.