Bernhard Prinz von Baden, 50, Heinrich Donatus Prinz von Hessen, 54, und Philipp Prinz zu Hohenlohe-Langenburg, 51, sollen am Sonnabend bei den Trauerfeierlichkeiten für Prinz Philip auf Schloss Windsor teilnehmen. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die vom Palast zu den Einzelheiten der Zeremonie veröffentlicht wurde. Mit den drei deutschen Adeligen war der Herzog von Edinburgh, wie Philip in Großbritannien meist genannt wurde, über seine Schwestern verwandt. Diese Verbindung nach Deutschland wurde im Königreich wegen des Zweiten Weltkriegs lange Zeit heruntergespielt – die Schwestern waren nicht einmal zur Hochzeit mit Elizabeth 1947 eingeladen.

Eine Trauerfeier mit viel Symbolik und Familienpolitik

Bei der Trauerfeier in Windsor dürfen wegen der strengen Corona-Schutzmaßnahmen statt der ursprünglich geplanten 800 nur 30 Gäste teilnehmen. Dass darunter nun auch mehrere Deutsche sein werden, werten britische Medien als Hinweis darauf, wie eng sich Prinz Philip dieser Verwandtschaft verbunden fühlte. Doch davon abgesehen, geht es bei der Trauerfeier auch sonst um viel Symbolik und Familienpolitik. Die verwitwete Königin Elizabeth II., 94, wird bei dem Gottesdienst am Sonnabend alleine in der St.-Georgs-Kapelle in Windsor Platz nehmen. Beim Leichenzug im Schlosshof sollen unter anderem die Kinder und Enkelkinder Philips dem Prinzgemahl das letzte Geleit geben.

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Prinz Philips deutsche Verwandtschaft: Prinz Heinrich Donatus von Hessen und seine Ehefrau Floria-Franziska.

Die Prinzen Harry, 36, und William, 38, werden allerdings nicht Seite an Seite hinter dem Sarg hergehen, sondern getrennt von Peter Phillips, 43, dem Sohn der Queen-Tochter Prinzessin Anne, 71 – er ist das erstgeborene Enkelkind der Königin. Damit, so spekulierten Medien, wolle die Königin sichtbare Spannungen zwischen den Brüdern vermeiden. Harry liegt mit dem Rest der Familie im Clinch. Er hatte sich gemeinsam mit seiner Frau Meghan, 39, vor etwas mehr als einem Jahr von den Royals losgesagt; die beiden hatten dann mit einem TV-Interview, in dem sie der königlichen Familie unter anderem rassistische Äußerungen vorhielten, für Unmut im Palast gesorgt.

Die Sorgenkinder Prinz Harry und Prinz Andrew einfangen

Allerdings musste Prinz Harry nach seinem Rückzug aus dem Königshaus alle militärischen Titel abgeben. Laut Protokoll darf er deswegen auch nicht mehr in militärischer Uniform auftreten, sondern höchstens seine Medaillen auf einem Anzug tragen. Damit Harry, der immerhin zweimal in Afghanistan diente, nicht als einziges hochrangiges Familienmitglied ohne Uniform kommen muss, soll nun die gesamte Familie darauf verzichten, schrieb die Zeitung The Sun unter Berufung auf Insiderquellen in einem Bericht, den auch der Guardian zitierte: Dieses „Entgegenkommen“ könne ein erster Schritt für eine Annäherung zwischen Prinz Harry und seiner Familie sein.

Vor allem aber verhindert die Maßnahme, von dem eigentlich Anlass des Familientreffens abzulenken. Denn insbesondere Prinz Andrew, 61, der zweitälteste Sohn der Queen, hätte in Uniform wohl für negative Schlagzeilen gesorgt. Er wollte sogar als Admiral auftreten, so berichteten britische Medien. Diesen Ehrentitel hatte er wegen der Vorwürfe über seine Verwicklung in den Epstein-Missbrauchsskandal zu seinem 60. Geburtstag abgelehnt und sich zudem aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Doch nun scheint der Prinz wieder das Rampenlicht zu suchen. Ein gefährliches Unterfangen aus der Sicht des Palasts, weil Andrew auch in der britischen Öffentlichkeit nicht wohl gelitten ist.

Palastsprecher: Eine „bescheidene“ Prozession für Prinz Philip

Die Trauerfeier soll ungestört ablaufen. Nach Angaben des Palasts beginnt sie am Sonnabend um 15 Uhr Ortszeit (16 Uhr MESZ) in der St.-Georgs-Kapelle auf dem weitläufigen Gelände von Schloss Windsor. Den Beginn markiert eine landesweite Schweigeminute zum Gedenken an den Toten. Zuvor wird Prinz Philips Sarg in einem speziell für diesen Zweck und unter Philips Mitwirkung entworfenen Land Rover von der Privatkapelle des Schlosses, wo er seit seit seinem Tod am Freitag vergangener Woche aufgebahrt ist, bis zur St.-Georgs-Kapelle gefahren. Sein ältester Sohn, Thronfolger Prinz Charles, 72, sowie weitere ranghohe Royals folgen dem Wagen zu Fuß.

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Keine Kutsche, sondern dieser umgebaute Land Rover wird den Sarg von prinz Philip transportieren.

Als Symbol für die enge Verbundenheit von Prinz Philip mit dem Militär sollen Vertreter der Royal Navy, der Royal Air Force und mehrerer Armee-Einheiten den Weg bis zur Kapelle säumen. Während der Sarg von Mitgliedern der königlichen Flotte in die Kapelle getragen wird, erklingt die Nationalhymne. Nach der Schweigeminute nimmt der Erzbischof von Canterbury den Sarg in Empfang – er wird mit der persönlichen Standarte des Prinzgemahls und mit einem Blumenkranz, seiner Offiziersmütze von der Royal Navy sowie seinem Parade-Degen geschmückt sein. Ein Palastsprecher betonte den „bescheidenen“ Rahmen der Zeremonie, sie entspreche den Wünsche des Herzog von Edinburgh.

Bis zur Bestattung gilt eine nationale Trauerzeit. Die Trauerfeier wird live im Fernsehen übertragen, in Deutschland von RTL. (mit dpa, AFP)