Eine Ära geht zu Ende: Dieter Bohlen räumt nach fast 20 Jahren seinen Chefposten in der Jury der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“. Die Sendung werde in der kommenden Staffel im Jahr 2022 erstmals mit einer komplett neu besetzten Jury präsentiert, teilte der Sender am Donnerstag mit. Der 67-jährige Bohlen übergebe „das Kommando“ dann an Nachfolger, die noch bekannt gegeben würden. Das Finale der aktuellen Staffel am 3. April 2021 sei somit die letzte Show des Pop-Titans auf dem Sessel des Chefjurors.

Der „Proll aus Hamburg-Tötensen“ und sein gutes Gespür

Das Casting-Format „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) läuft bereits seit 2002 – Musikproduzent Bohlen war von Anfang an dabei und ist das markante Gesicht der Show. Mit seinen Sprüchen hat er sie über Jahrzehnte geprägt. Zuletzt machte DSDS allerdings von sich reden, als der Juror und Schlagersänger Michael Wendler die Show verließ und seinen Rücktritt mit wirren Verschwörungstheorien zur Covid-19-Pandemie begründete sowie die Anti-Corona-Maßnahmen der Bundesregierung mit dem Nationalsozialismus verglich.

Der Skandal war auch ein Anzeichen dafür, dass DSDS schon längst zu einer Krawallshow verkommen war, bei der es nur noch am Rande um die Entdeckung junger Talente ging. Bohlen hat mit seiner Schnodderschnauze an dieser Entwicklung auch seinen Anteil, obwohl sich seine gern im harschen, mitleidslosen und schadenfrohen Ton vorgetragene Kritik zumeist als zutreffend erwies: Er inszenierte sich als „Proll aus Hamburg-Tötensen“, hatte aber stets ein sicheres Gespür für die Marktgängigkeit des Pop-Nachwuchs.

Modern Talking ist bis heute beliebt – in Afrika und Asien

Sein Standing als Juror war allerdings auch darin begründet, dass Bohlen gemeinsam mit dem Sänger Thomas Anders als Pop-Duo Modern Talking in den 1980ern große internationale Erfolge feierte. Die Formation belegte fünfmal Platz eins der deutschen Single-Charts und lag auch in anderen europäischen sowie in asiatischen und afrikanischen Hitparaden weit vorn. In ihrer Heimat verkauften Modern Talking bis zu ihrer endgültigen Auflösung 2003 insgesamt 5,7 Millionen Tonträger, international waren es rund 120 Millionen.

RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm erklärte zu der Entscheidung des Senders, dass nach fast zwei Jahrzehnten „jetzt der richtige Zeitpunkt für Veränderung und Weiterentwicklung“ sei. „Wir bedanken uns ausdrücklich bei der aktuellen Jury und insbesondere bei Dieter Bohlen als langjährigem Chefjuror“, erklärte Sturm weiter. Henning Tewes, Geschäftsführer von RTL Television, teilte mit: „Mit einer komplett neuen Jury wird DSDS frische Impulse setzen, um musikalische Talente und Millionen Zuschauer neu zu inspirieren und zu begeistern.“

Wie RTL ferner erklärte, werde auch die Show „Das Supertalent“ im Herbst 2021 neue Juroren bekommen. Auch dort saß Bohlen in der Jury.