Berlin - Die wirklich beneidenswerte Lebensleistung George Clooneys besteht nicht nur darin, ein erfolgreicher Schauspieler, Politaktivist oder Familienvater zu sein – das eine oder andere davon gelingt schließlich auch anderen Menschen und ist ansonsten das schöne Glück eines fleißigen Mannes. Was der Amerikaner dagegen mit einer unvergleichlichen, eben neiderweckenden Lässigkeit zustande bringt: Er scheint nicht nur bei ausnahmslos allem, was er macht, Erfolg zu haben, sondern wirkt bei all dem nie auch nur einen Moment verbissen oder anmaßend. Clooney ist ein Siegertyp der unheimlichen Art, gerade weil er immer gewinnt und man ihn trotzdem gern haben muss.

Der Mann ist eigentlich eine fortgesetzte Frechheit, eine tiefgehende Demütigung nicht nur für Männer. Mal grob veranschlagt: Clooney bekommt die tollsten Preise (Oscar), hat die tollste Frau (Amal) und die tollsten Freunde (Matt Damon, Julia Roberts), er wohnt in den tollsten Häusern und Gegenden (Comer See) und so weiter. Und dann erweckt der Mann mit dem überperfekten Erfolgsportfolio den aufreizenden Eindruck der Anstrengungslosigkeit, als hätte er mit all dem nicht wirklich etwas zu tun. George Clooney verkörpert wie niemand sonst die schönste aller Lebenslügen, nämlich es mit etwas Talent und ansonsten bloßem Nettsein an die Spitze geschafft zu haben. Hassenswert!

Und ein wahrlich guter Grund, ihm von ganzem Herzen zu seinem 60. Geburtstag am Donnerstag zu gratulieren. Dass Clooney jede Gratulation verdient hat, dafür gibt es vier unwiderlegbare Beweise. Bitte sehr!

1. Die ultimative Rolle: Everybody’s Darling

Clooney ist ein Frühvollendeter: Alles an dem Schauspieler war bereits von Beginn an zu schön, um wahr zu sein. Na ja, fast: Den aus einer Entertainer-Familie stammenden Mann zog es Anfang der 1980er-Jahre nach Hollywood, wo er in einigen zweitklassigen Pilotfilmen für Fernsehserien reüssierte, die mangels Erfolgs auf eine Episode beschränkt blieben. Auch die erste größere Rolle in der Low-Budget-Horrorfilmparodie „Die Rückkehr der Killertomaten“ (1988) brachte ihm keinerlei Ruhm. Erst als Kinderarzt Doug Ross in der Krankenhausserie „Emergency Room“ wuchs Clooney ab 1994 und über 100 Folgen hinweg zu dem heute bekannten Everybody’s Darling heran: Diese Rolle sollte er fortan immer spielen.

Imago/NBC /Courtesy Everett Collection
Als Künstler unkaputtbar: George Clooney als Kinderarzt Doug Ross in der Krankenhausserie „Emergency Room“.

Hier kam alles zusammen, die ultimative Erfolgsformel: Kinder + Arzt = Mann + Held = gut aussehend + ernsthaft + supernett. Zu diesem Dreisatz sollten sich mit der Hauptrolle in Robert Rodriguez’ Kultfilm „From Dusk Till Dawn“ (1996) und an der Seite von Quentin Tarantino noch Coolness + Humor gesellen. Damit war Clooney als Künstler perfekt. Gewissermaßen unkaputtbar, selbst Mainstreammurks wie „Batman & Robin“ (1997) konnte daran nichts mehr ändern. Im Gegenteil, Clooney kritisierte sich und den Fledermaus-Film später als „schrecklich“ und steigerte damit seine Glaubwürdigkeit ins Unermessliche. Mehr Souveränität geht nicht.

2. Die Frauen: Die beste von allen – Amal

Imago/Christopher Smith
Das überperfekte Paar, das unverschämteste Glück in seinem Leben: George und Amal Clooney.

Eigentlich wird Clooney von allen gemocht, von Männern wie von Frauen. Ihm selbst schien es lange ein gewisses Vergnügen zu bereiten, sich nicht festzulegen und ansonsten alles schön oberflächlich zu belassen. Man kann das auch diskret finden. Und so war es der Boulevard, der beherzt auf die Hatz ging und Clooneys Liebesleben verfolgte. Da kam einiges zusammen, allein schon die quasi-offizielle Statistik: Er war von 1989 bis 1993 mit der Schauspielerin Talia Balsam verheiratet und zwischen 2004 und 2013 mit den Schauspielerinnen Krista Allen, Elisabetta Canalis und Stacy Keibler liiert. Eine traurige, typisch männliche Verlaufsform – die Frauen wurden immer jünger.

Aber dann kam die britisch-libanesische Menschenrechtsanwältin Amal Alamuddin, 43. Eine umwerfend kluge und schöne Frau – und wie Clooney auf eine unheimliche Weise perfekt. Sie war ihm ebenbürtig und sogar ein bisschen mehr. Im September 2014 heirateten die beiden in, na klar, Venedig. Amal nahm seinen Nachnamen an, im Juni 2017 bekamen sie Zwillinge. Clooney sagt über seine Frau, mit ihr endlich seine Seelenverwandte gefunden zu haben. Dass sie zu ihm, dem politischen Aktivisten, inhaltlich passt, ist offensichtlich. Aber Clooney sagt auch: Er habe den Jackpot gewonnen, nicht sie. Ja, sie ist das unverschämteste Glück in seinem Leben. Und Clooney zeigt Demut ob dieser Gnade.

3. Die Attraktivität: Erst schmachten, dann lachen

„Sexiest Man Alive“ waren schon viele Herren aus Hollywood, George Clooney aber fuhr die Auszeichnung der Zeitschrift People gar zweimal ein: 1997 und 2006. Wie ernst er selbst den Titel nimmt, lässt sich an einem Interview vom vergangenen Dezember mit einem US-Radiosender ablesen. Dort wurde Clooney gefragt, welche Auszeichnung ihm wichtiger sei: der Oscar oder der Titel des Mannes mit dem weltweit größten Sexappeal. „Ich glaube, das weißt du“, antwortete Clooney daraufhin und fügte an, dass er auf eine dritte „Sexiest“-Auszeichnung hoffe. Er habe bereits anderen Preisträgern wie Matt Damon und Brad Pitt bei deren Kampagnen geholfen, nun wolle er den aktuellen Titelinhaber Michael B. Jordan unterstützen, damit der ebenfalls ein zweites Mal gewinne. Wie gesagt, das Gespräch lief im Radio, aber man kann sich Clooneys Gesicht dazu genau vorstellen, den Dackelblick und das schelmische Grinsen unter den apart ergrauten Schläfen. Die Moderatoren lachten jedenfalls herzlich.

Imago/Everett Collection Arrowhead Films
Der Dackelblick des George Clooney: unwiderstehlich.

Als gewinnend wird jemand wie Clooney gern bezeichnet, im Netz findet man etliche Ratgeber a la „In zehn Schritten zur Ausstrahlung von George Clooney“ oder Versuche zu erklären, woher sein müheloser Charme wohl rühren möge. Dabei ist jede Imitation zum Scheitern verurteilt, allenfalls ein mieser Abklatsch auf einen Mann, der aufs Oberflächliche zielende Ehrungen zeitgeistgerecht abmeiern kann, ohne sie lächerlich zu machen. Der den Sexsymbol-Status gerne mitnimmt, weil er den Stempel ohnehin nicht los wird. Der genau weiß: Sein Charme speist sich auch aus der Ungewissheit. Wer kennt George Clooney schon genau? Am Ende könnte er privat ein schlimmer Chauvi sein, wer weiß das schon? Fragen wir ihn doch einfach mal selbst: „Ich sauge, mache die Wäsche und spüle das Geschirr jeden Tag. Ich fühle mich wie meine Mutter anno 1964. Jetzt verstehe ich, warum sie ihren BH verbrannt hat.“ George Clooney, der perfekte Hausmann! Oder was haben Sie gehört?

4. Die Freunde: In allerbester Gesellschaft

Imago/D. Bedrosian
„Ich habe tolle Freunde, mein Leben ist erfüllt.“ Hier mit John Goodman, Jean Dujardin and Matt Damon (v.l.).

Vor etwa einem halben Jahr durften wir erfahren, was es bedeutet, mit George Clooney befreundet zu sein. Nicht nur darf man sich im Abglanz seiner Herrlichkeit sonnen, von seinem Netzwerk profitieren, über seine Witze lachen. Nein, ein Freund von George zu sein, zahlt sich auch ganz unmittelbar aus, monetär, pinkepinkemäßig. Clooney hat 14 seiner engsten Freunde jeweils eine Million US-Dollar in bar geschenkt – umgerechnet etwa 833.000 Euro. Dem Magazin GQ verriet er im vergangenen November, dass er seine „Boys“ im Jahr 2013, nachdem er die Gage für „Gravity“ erhalten hatte, zu sich nach Hause einlud und jedem von ihnen einen Koffer mit dem Geld gab. Zu diesem Zeitpunkt sei er ledig gewesen und habe nicht vorgehabt, eine Familie zu gründen. „Ich dachte, ich werde nie heiraten. Ich werde keine Kinder haben. Ich werde arbeiten, ich habe tolle Freunde, mein Leben ist erfüllt, es geht mir gut“, erklärte Clooney.

Die Beschenkten, unter ihnen Anwälte, Stylisten, Bauunternehmer, Schauspieler und Musiker, hatten sich im Laufe seines Lebens aber auch als wahre Freunde erwiesen. Sie ließen den Star, als er noch keiner war, auf ihrem Sofa schlafen, spendierten ihm Essen oder einen neuen Haarschnitt. „Ich dachte, ohne sie hätte ich nichts von all dem. Und wir stehen uns alle sehr nahe, und ich dachte einfach, wenn ich von einem Bus überfahren werde, wären sie alle im Testament verankert ... Aber warum zum Teufel warte ich darauf, von einem Bus überfahren zu werden?“ Dies ist nicht nur als ein Akt der Nächstenliebe zu verstehen, sondern auch als ein Plädoyer für Hilfsbereitschaft. Seien Sie lieber nett zu anderen – es könnte sich lohnen!