Elena Carrière, 24, protestiert auf Instagram gegen Bodyshaming und zeigt sich zu diesem guten Zweck nackt. Genauer gesagt, zeigt sie sich in einem Vorher-nachher-Vergleich: Auf einem Foto ist sie mit Fettpölsterchen und Hautflecken zu sehen, auf einem anderen, späteren und offenbar manipulierten ganz und gar „makellos“ und „künstlich“. Carrière weiß, wovon sie spricht: 2016 belegte sie den zweiten Platzt bei der RTL-Castingshow „Germany‘s Next Topmodel“ – bekanntlich eine Dauerwerbesendung für schöne und geschönte, in jedem Fall männergeschmacklich und modeindustriell zugerichtete Frauenkörper.

Mehr Selbstliebe und Dankbarkeit für den Körper, den wir haben

Heute warnt sie allerdings vor den „verkaufsfördernden, heuchlerischen und oberflächlichen Schönheitsidealen“ der Branche oder überhaupt unserer Zeit. Und so liest sich Carrières auf Englisch gehaltener Post bei Instagram wie eine Übung in Kulturkritik: „Wie kam es zu dem Punkt, an dem schöne, gesunde Menschen sich selbst im Spiegel betrachten und sich in Grund und Boden kritisieren, nur weil sie nicht wie die Rettungsschwimmer in ‚Baywatch‘ aussehen?!“ Die Tochter des Schauspielers Mathieu Carrière, 70, wünscht sich stattdessen mehr Selbstliebe und vor allem Dankbarkeit – für den Körper, den wir haben.

Ob das hilft? Carrières Statement ist jedenfalls nicht als Totalverweigerung zu verstehen, sie selbst setzt ihren Körper auch zu Werbezwecken ein, wie auf einem anderem Instagram-Post zu sehen ist: Da räkelt sie sich sehr fotogen in dessoushafter Leichtigkeit für ein „Vinofresh Deodorant“ der französischen Ökomarke Gaudalie. Immerhin, es ist öko und also politisch korrekt. Ein Einwand gegen Carrière könnte darin liegen, dass Fotos wenig beweisen – und schon gar nicht bei Vorher-nachher-Vergleichen. Die kennt man schließlich in unendlichen Varianten von halbseidenen Inseraten für wundersame Abnehmmittelchen.

Setze dich vor den Spiegel und schaue dich an!

Doch zurück zu Carrière. Als Model hat sie Karriere gemacht, arbeitete unter anderem mit Fotografen wie Ellen von Unwerth, Rankin, Ben Watts, Max Montgomery und Kristian Schuller zusammen. 2018 unterschrieb sie einen Vertrag bei der Pariser Modelagentur Metropolitan und war im Rahmen der „About You Awards“ als „authentische und relevante Influencerin“ in der Kategorie Lifestyle nominiert. Vor diesem Hintergrund können wir davon ausgehen, dass sie sich nicht zuletzt mit den zeitgemäßen Hashtags am Ende ihres Posts – #Selflove, #bodyacceptance, #bodylove – verkaufsförderlich in Szene setzt.

Und so bleibt am Schluss ein frommer Wunsch, eingekleidet in eine Frage und eine Bitte: „Wann habe ich aufgehört, meinen Körper für die magischen Wunder zu lieben, die er jeden Tag erfüllt, indem er das tut, was er tun soll: gesund sein und mich dazu bringen, das Leben mit meinen fünf Sinnen zu erleben?! Heute habe ich eine Aufgabe für dich/für uns: Setz dich nackt vor deinen Spiegel – kein Baucheinziehen oder Posieren – SCHAU dich an und sag DANKE. Für alles, was du tust und mir erlaubst, mich dankbar zu fühlen!“ Dann mal los: „Selbstliebe ist mit Sicherheit eine lebenslange Reise.“