Elliot Page, 34, hat rund vier Monate nach dem Coming-out als Transgender in seinem ersten TV-Interview über die Freude gesprochen, endlich offen zu leben. Gegenüber der Moderatorin Oprah Winfrey sprach der kanadische Schauspieler von einem „befreienden Prozess“ und kritisierte zugleich ein transphobes Klima: „Ein Teil von mir wundert sich, warum das so schwer war. Warum hat die Gesellschaft es mir so schwer gemacht, an diesem Punkt in meinem Leben anzukommen?“, fragte Page in dem emotionalen Interview, das für den Streamingdienst Apple TV+ produziert wurde.

Page: „Ich fühle mich zum ersten Mal wohl in meinem Körper“

In dem Gespräch wollte Winfrey von ihrem Gast auch wissen, wie er sich jetzt in seinem Körper fühle. „Es ist ein interessanter Zwiespalt“, erklärte Page daraufhin. Auf der einen Seite entdecke er seinen Körper als etwas „Wunderbares, Verblüffendes … Aber auf der anderen Seite denke ich auch einfach: ‚Na also, da bin ich ja‘.“ Insgesamt könne er aber sagen, er fühle sich „zum ersten Mal wohl“ in seinem Körper. Erst kürzlich hatte Page dem Time Magazine erzählt, er habe lange Zeit keine Fotos von sich ansehen und seinen Anblick im Spiegel nur schwer ertragen können.

Gegenüber Winfrey kam Page erneut auf seine Kindheit zu sprechen. „Ich wusste schon als Kind, dass ich ein Junge war“, erzählte er, „und habe heimlich Liebesbriefe geschrieben und sie mit ‚Jason‘ unterschrieben.“ Winfrey wollte auch wissen, warum Page mit diesen und anderen Details an die Öffentlichkeit gegangen ist. „In Hinblick auf all die Rückschläge für Trans-Menschen, insbesondere Trans-Jugendliche, hat es sich einfach dringlich angefühlt, meinen Schritt öffentlich mitzuteilen“, antwortete Page. Das sei nicht zuletzt auch wichtig für sein eigenes Wohlbefinden gewesen.

Allerdings wollte Page nicht nur über sich sprechen, vielmehr ging es ihm um die Kritik an transphoben Gesetzesinitiativen in den USA, die insbesondere Jugendliche psychisch belasteten und „die auf Lügen beruhen“. Hintergrund ist, dass viele republikanisch geführte Bundesstaaten derzeit Trans-Schülerinnen verbieten wollen, mit anderen Mädchen Schulsport zu betreiben – die Kinder würden so „in den Transgenderismus gedrängt“, lautet eine der Begründungen. „Wenn man so etwas tut, wenn man den Trans-Kids den Sport verbietet, dann werden Kinder sterben“, warnt Page.

Transphobe Ressentiments in der Gesellschaft

Er spielt damit auch auf transphobe Ressentiments in den USA an. Seit Jahren wird hier erbittert über Rechte für Trans-Menschen debattiert. Die Regierung von Donald Trump hatte kurz vor der Abwahl eine Regelung zurückgenommen, die sie vor Diskriminierungen im Gesundheitswesen schützen sollte. Das Gesundheitsministerium teilte damals mit, man werde zur Interpretation des Wortes „Geschlecht“ als „männlich oder weiblich und wie von der Biologie bestimmt“ zurückkehren. Eine solche, bisweilen als „gottgewollt“ deklarierte Heteronormativität duldet keine Differenzierungen.

Demgegenüber hat der amtierende Präsident Joe Biden jetzt in seiner ersten Rede vor beiden Kongresskammern den Trans-Menschen in den Vereinigten Staaten Unterstützung zugesagt. „An alle Transgender-Amerikaner, die zu Hause zuschauen – insbesondere die jungen Leute, die so mutig sind: Ich möchte, dass ihr wisst, dass der Präsident hinter euch steht“, sagte Biden am Mittwochabend im Kapitol. Er hoffe zudem sehr, dass die Volksvertreter den „Equality Act“ zum Schutz von Angehörigen der LGBTQ-Community vor Diskriminierung verabschieden würden.

Die englische Abkürzung LGBTQ steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und queere Menschen – oft ergänzt um ein Pluszeichen sowie ein Sternchen als Platzhalter für weitere Identitäten und Geschlechter. Trans-Menschen sind Personen, die sich dem Geschlecht, das ihnen bei Geburt zugeschrieben wurde, nicht zugehörig fühlen. Page hatte sich 2014 als lesbisch geoutet, seitdem avancierte er zum Fahnenträger der LGBTQ-Gemeinde in Hollywood. 2018 heiratete er die kanadische Tänzerin und Choreografin Emma Portner, 26. Das Paar hatte im Januar seine Trennung bekannt gegeben.