Berlin - Mit dem Coolsein ist es so eine Sache: Will man’s auf Teufel komm raus, wird’s schnell peinlich. Dänemarks Margrethe II., die am Mittwoch in Berlin erwartet wird und längst als coolste Königin von allen gilt, hat wohl nie auch nur einen Gedanken daran verschwendet, wie sie diesen Status erreichen könnte. Margrethe kann fluchen wie ein Kesselflicker und schert sich nicht um politische Korrektheit. Als ein dänischer Professor ihr mal vorhielt, dass sie wegen ihres Rauchens ein schlechtes Vorbild sei, entgegnete sie nur lapidar: „Ich rauche, sobald ich einen Aschenbecher sehe.“

Seit 1972 sitzt Margrethe II. auf dem Thron und führt eine der ältesten Monarchien der Welt. Dabei genießt die 81-Jährige nicht nur im eigenen Land hohe Sympathiewerte: Die exzentrische Künstlerin und Dackelliebhaberin gilt als volksnah und gebildet und ist eines der beliebtesten Staatsoberhäupter Europas.

In Zeiten der Globalisierung und einer immer unübersichtlicher erscheinenden Welt gilt die Monarchin vielen als Fixpunkt, und auch wenn sie fast ausschließlich repräsentative und staatsnotarielle Funktionen wahrnimmt, kommen nur wenige Dänen auf die Idee, die Monarchie abzuschaffen. Weit über 80 Prozent der Bevölkerung sind bekennende Royalisten. Die über tausendjährige Geschichte der Monarchie hat tiefe Wurzeln in der Kultur des Landes hinterlassen, sie ist integraler Bestandteil der dänischen Volksseele.

Die Dänen lieben ihre Königin für ihr unkonventionelles Auftreten

Und die scheint sich auch an Margrethe zu erfreuen. Als moralische Instanz hat sie sich nie verstanden, auch wenn sie das Rauchen nach etlichen Attacken von Nichtraucher-Organisationen irgendwann einschränkte und öffentlich nicht mehr mit Zigarette auftrat. Viele Dänen lieben ihre Königin für ihre unkonventionelle Art. Margrethe steht für Kontinuität und hat sich gleichzeitig stets ihren eigenen Kopf bewahrt.

Die studierte Archäologin und Politikwissenschaftlerin, die fließend Englisch, Deutsch, Französisch und Schwedisch sowie etwas Färöisch spricht, hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder auch als Künstlerin und Designerin auf sich aufmerksam gemacht. Ihre Illustrationen schmücken die dänische Ausgabe von „Herr der Ringe“, in Museen für moderne Kunst stellte sie auch schon aus. Seit kurzem hat Margrethe einen neuen Nebenjob: Sie sorgt beim Netflix-Film „Ehrengard“ für Bühnenbild und Kostüme.