Berlin - Eddie Murphy wird also 60. Gefühlt beplappert und bequasselt eines der größten Großmäuler Hollywoods die Kinozuschauer schon seit einer Ewigkeit, doch bei allem Klamauk, bei all den frechen Sprüchen übersieht man leicht, dass Murphy, geboren am 3. April 1961 in New York, noch mehr zu bieten hat. Und dass sein Einstieg ins Filmgeschäft alles andere als einfach und alles andere als selbstverständlich war.

Murphy, der mit Kassenschlagern wie „Beverly Hills Cop“, „Die Glücksritter“, „Der Prinz aus Zamunda“ und „Dr. Dolittle“ große Erfolge feierte und später in seiner Karriere auch zahlreiche Flops landete, kam als Sohn eines Polizisten und einer Telefonistin zur Welt und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als er drei Jahre alt war, ließen sich seine Eltern scheiden, Eddie blieb bei seiner Mutter. Sein Vater, der auch Amateurschauspieler und Komiker war, wurde fünf Jahre später ermordet.

„Die ersten Jahre meines Lebens sah ich nur Züge, wenn ich aus dem Fenster schaute. Meine Eltern ließen sich scheiden, mein Vater war oft betrunken und starb, als ich acht war. Aber irgendwann habe ich die komische Seite an all dem entdeckt. Und habe das mit dem betrunkenen Vater so gut nachgespielt, dass alle, deren Väter auch manchmal betrunken sind, Tränen in den Augen hatten, und zwar vor Lachen“, sagte Murphy viele Jahre später einmal in einem Interview.

Als Jugendlicher fiel der Schnellplauderer zunächst als Stand-up-Comedian in Jugendzentren auf, bevor er 1980 Mitglied des Ensembles von „Saturday Night Live“ wurde. Schon damals waren sein enormes Sprechtempo und seine vorlaute Art sein Markenzeichen. Er konnte grandios bekannte Menschen imitieren, gab aber auch reichlich Obszönitäten von sich, über weiße angelsächsische Protestanten, Afroamerikaner, Italo-Amerikaner, Übergewichtige, Schwule. Es war eine Zeit, in der Sprachregelungen und politische Korrektheit keine Rolle spielten.

Murphy, der sich als Retter von Amerikas berühmtester Comedy-Show erweisen sollte, hatte um seine Chance, dabei sein zu können, regelrecht betteln müssen. Aber er ließ sich nicht abwimmeln und blieb vier Jahre lang ein fester Teil der Show, bis er ausstieg, um seine immer stärker florierende Filmkarriere voranzutreiben. 2019 feierte er ein Comeback in seiner alten Comedy-Heimat – eine viel beachtete Rückkehr zu seinen Wurzeln.

Murphys Filmkarriere kam 1982 ins Rollen, als er an der Seite von Nick Nolte in der Actionkomödie „Nur 48 Stunden“ als dauerquasselnder Häftling neben einem bärbeißigen Cop fungierte und dafür prompt eine Golden-Globe-Nominierung einheimste. In der Zeitung war später zu lesen, manchmal mache eine einzige Szene einen Schauspieler zum Star. So wie Eddie Murphy, der im Film eine Kneipe betritt, sich als Polizist ausgibt und die dort versammelten „Hinterwäldler“ aufmischt.

Nolte und Murphy wurden zum Role Model der schwarz-weißen Buddy-Movies im zeitgenössischen Kino, mit selbstbewusst und gleichberechtigt agierenden Figuren, deren bissige Wortgefechte vor provokativen N-Schimpfwörtern nur so strotzten. Anarcho-Komik vom Feinsten, die heute so nicht mehr möglich wäre. Das gilt auch für viele der nachfolgenden Produktionen, die Murphys Weg zum Großverdiener der Branche ebneten. In der Erfolgskomödie „Der verrückte Professor“ von 1996 werden Furz- und Fettsackwitze bemüht, bei denen heute sofort der Bodyshaming-Sensor anspringen würde. Um vom Peinlichkeits-Sensor nicht zu sprechen.

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Best Buddys: Nick Nolte und Eddie Murphy in „Nur 48 Stunden“.

Dennoch: Bis weit in die 1990er-Jahre hinein galt Murphy als beliebtester Komiker Hollywoods, und auch wenn er in Deutschland ab der Jahrtausendwende zusehends aus dem Blickfeld geriet, in den USA blieb er weiterhin gefragt. Das war unter anderem seiner Rolle als Synchronsprecher des frechen Esels in den „Shrek“-Animationsfilmen zu verdanken, aber auch seinem Auftritt im Filmmusical „Dreamgirls“ von 2006, in dem er als Soulsänger auch seine stimmlichen Qualitäten unter Beweis stellen konnte. Diese Rolle bescherte ihm eine Oscarnominierung, einen Golden Globe und machte ihn auch unter Kritikern wieder zu einem ernst zu nehmenden Darsteller.

Türöffner für andere schwarze Darsteller

Dabei ist Murphys Rolle als Türöffner für andere schwarze Darsteller gar nicht hoch genug einzuschätzen. Im weißen Mainstreamkino der 80er waren seine regelmäßigen Auftritte, seine große Popularität alles andere als selbstverständlich. „Ich war die Chance für die anderen, für Wesley, für Denzel, für John und für Spike – für die schwarze Renaissance, die wir heute feiern“, sagte Murphy denn auch gänzlich unbescheiden in einem Spiegel-Gespräch Mitte der 90er-Jahre.

Wenn der Vater von zehn (!) Kindern heute Interviews gibt, geht es altersentsprechend schon so langsam in die Karriererückschau. Er sei in der Lage gewesen, das Thema Rassismus zu überwinden, bei seiner Arbeit sei das kein Thema gewesen, erklärte Murphy kürzlich im englischen Magazin Radio Times: „Ich mache seit 40 Jahren Filme und kein einziges Mal konnte ein Film nicht gemacht werden, weil ich schwarz bin.“ Dass es leicht gewesen sei, wolle er damit aber nicht sagen. Er sei nicht aus dem Himmel herausgetreten und nach Hollywood gekommen: „Ich bin ein schwarzer Mann, der in Amerika geboren wurde, ich bin Afroamerikaner. Es ist unmöglich, sich da in diesem Land nicht mit irgendwelchem Scheiß herumschlagen zu müssen.“

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„Beverly Hills Cop“: Als schnoddriger Polizist Axel Foley aus Detroit stiftete Murphy erstmals 1984 Unruhe unter den Reichen und Schönen von Beverly Hills.

Im Filmgeschäft mangele es an Diversität, nicht nur bei Afroamerikanern, sondern auch bei Frauen oder bei Minderheiten, beklagte Murphy: „Weiße Männer führen dieses Geschäft, das war schon immer so.“

Aktuell ist Eddie Murphy wieder häufiger zu sehen: Die Fortsetzung seiner Kult-Komödie „Der Prinz aus Zamunda“ (im Original: „Coming to America“) startete letzten Monat bei Amazon Prime. Und wer weiß, vielleicht ist auch eine weitere ikonische Figur bald wieder zurück: „Beverly Hills Cop 4“ befindet sich schon seit Jahren in Arbeit. Auch Eddie Murphy soll als gewitzter Polizist Axel Foley wieder dabei sein. Allerdings spielt er nur unter einer Bedingung mit: „Ich werde nichts machen, bis das Drehbuch stimmt.“