Prinz Harry, 36, und Herzogin Meghan, 39, haben ein sicheres Gespür für Schlagzeilen. Jetzt sind die beiden gerade erst wieder Eltern geworden, eine eigentlich erfreuliche Nachricht, und schon kocht das Ressentiment. Das hat vor allem mit dem Namen zu tun, den das Paar seiner Tochter gab: Lilibet ,Lili‘ Diana Mountbatten-Windsor. Auf der Webseite der eigenen Archewell-Stiftung gaben sie sogleich die notwendige Verständnishilfe, damit es auch alle verstehen: „Lili wurde nach ihrer Urgroßmutter, Ihrer Majestät, der Queen, benannt, deren Spitzname in der Familie Lilibet ist“, hieß es in der Mitteilung. Demgegenüber sei der Name Diana ausgewählt worden, um der verstorbenen Prinzessin Diana zu gedenken.

Harrys und Meghans Opfernarrativ reicht von Lady Diana bis heute

Der Name des Neugeborenen barg also eine politische Botschaft. Das ist in durchlauchten Kreisen nicht ungewöhnlich, werden über solchen Finten doch die vielfältigen Beziehungen in einer zumeist weitverzweigten und altehrwürdigen Familie angezeigt, Herkünfte und auch Ansprüche geltend gemacht und so das ganze dynastische Gedöns gepflegt. Und tatsächlich wurde auch der Name Lilibet ,Lili‘ Diana Mountbatten-Windsor gleich als Zeichen interpretiert, er sei ein Versöhnungsangebot der Sussexe: Zum einen zolle er der königlichen Familie und ihrem Oberhaupt, also der Queen, einen durchaus herzergreifenden Tribut, zum anderen adressiere er die bei Hof verfemte Königin der Herzen, Harrys Mutter Diana.

Ob das wirklich so ist? Der Tod von Lady Di – sie starb 1997 auf der Flucht vor Paparazzi bei einem Autounfall in Paris – wird von Harry als die ursprüngliche Entzweiungsszene, das anfängliche Trauma beschrieben: Er macht nicht nur den rücksichtslosen Boulevard für den Tod seiner Mutter verantwortlich, sondern irgendwie auch den gefühlskalten Königshof. Die Pointe: So wie der Palast damals Lady Di im Stich ließ und nicht vor der Sensationspresse schützte und ihr nach dem Tod zunächst sogar eine würdevolle Beerdigung verweigerte, ganz genau so habe die Königsfamilie ihn, Harry, mit seiner Frau Meghan allein gelassen – mit seinen psychischen Problemen und mit dem aggressiven Boulevard.

Dieser Opfernarrativ ist in den letzten Monaten vielfach zur Anwendung gekommen und entfaltete schließlich in dem Skandalinterview mit Oprah Winfrey und einer mit der Talkshowmoderatorin produzierten Dokumentation über Depressionen die größtmögliche Wucht. Harry und seine Frau klagten über fehlende Unterstützung trotz psychischer Probleme und Suizidgedanken bei Meghan, über Falschnachrichten, die sogar vom Palast befeuert wurden, über das Gefühl des Gefangenschaft im goldenen Käfig und über den Rassismus bei den Royals. Ein Mitglied der Familie soll Bedenken über die Hautfarbe des da noch ungeborenen Sohnes geäußert haben – Archie ist mittlerweile zwei Jahre alt.

Verunglückte Avance oder vergiftetes Versöhnungsgeschenk?

Und so zieht sich der Erzählfaden von dem traumatisierenden Tod der Mutter, Prinzessin Diana, zu dem tiefen Zerwürfnis mit dem Königshaus von heute, deren Vorstand Königin Elizabeth II. ist. Die Frage lautet nun: Kann es vor diesem Hintergrund wirklich sein, dass mit dem Namen eines Kindes mal so eben der Rassismus- oder auch Kolonialismusvorwurf abgeräumt werden soll? Das darf bezweifelt werden. Im besten Fall ist die Namensgebung eine verunglückte Avance, vielleicht aber auch der weitaus raffiniertere Versuch, im Herzen der britischen Königshauses ein Menetekel zu platzieren, das an die ungeliebte Prinzessin Diana erinnert und wegen „Lilibet“ zugleich unabweisbar ist.

Die royale Expertin Angela Levin brachte in der Show „Good Morning Britain“ folgenden Gedanken ins Spiel: „Prinz Charles würde es nicht im Traum einfallen, seine Mutter Lilibet zu nennen. Er hat diesen Namen für sie nie benutzt, weil es ein spezieller Name war, den nur der Herzog von Edinburgh benutzt hat.“ Wenn aber nur der jüngst verstorbene Prinzgemahl Philip (1921–2021) seine Elizabeth so gerufen haben sollte, dann wäre das jetzt in Spiel gebrachte Lilibet auch noch eine Anmaßung. Oder eine Beleidigung. Wie auch immer: Harry und Meghan fahren unverdrossen damit fort, das Allerintimste und -privateste aus ihrer – einstmaligen – familiären Umgebung zu veröffentlichen. Ob das der Heilung dient?