Michelle Hunziker, 44, zählte bislang eher nicht zu den Prominenten, die sich schnell mal einen Shitstorm einfangen. Die in der Schweiz geborene Moderatorin gilt eher als Sonnenschein und als Everybody’s Darling. Doch nach einem Auftritt in der italienischen Satireshow „Striscia la notizia“ (deutsch: „Entfernen Sie die Nachrichten“) hat sich der Wind gedreht – und zwar gegen Hunziker, die fünf Sprachen fließend spricht und als Moderatorin in Italien, der Schweiz und Deutschland aktiv ist. Hierzulande machte sie sich unter anderem durch Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“, „Das Supertalent“ sowie als Sidekick von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass..?“  einen Namen.

In der Sendung „Striscia la notizia“, die sich humorig mit dem aktuellen Tagesgeschehen befasst, tritt sie an der Seite von Gerry Scotti auf. Doch dieser Witz ging daneben: In der Show, die am Montag ausgestrahlt wurde, machte sich das Moderatorenduo mit Grimassen und L- statt R-Lauten über Chinesen lustig.

Hunziker: Kauderwelsch mit zusammengekniffenen Augen

In dem Beitrag, in dem es um einen angeblichen Sitz des italienischen Rundfunkunternehmens RAI in Peking ging, verspotteten Hunziker und Scotti, ein ehemaliger Abgeordneter des italienischen Parlaments, zunächst die Aussprache des Buchstabens R durch die Chinesen und nannten das Netzwerk „LAI“ anstelle von „RAI“. Dann zogen sie die Augenwinkel nach oben, Hunziker sprach mit zusammengekniffenen Augen Kauderwelsch. Besonders in den sozialen Medien schlugen nach der Ausstrahlung der Show des von Silvio Berlusconi gegründeten Medienunternehmens Mediaset die Wellen der Empörung hoch.

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Screenshot aus der kritisierten Sendung mit Michelle Hunziker und Gerry Scotti.

So veröffentlichte der Instagram-Account „Diet_Prada“ (2,7 Millionen Abonnenten) eine Kritik auf Instagram. Darin heißt es, sowohl Scotti als auch Hunziker seien in Italien angesehene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich für LGBTQ und Frauenrechte einsetzten. Italien wiederum sei die Heimat von rund 310.000 chinesischen Staatsangehörigen, die besonders während der ersten Coronavirus-Welle viele Ressentiments erfahren hatten. Sogar Italiens Premierminister Giuseppe Conte sah sich damals veranlasst, seine Landsleute dazu aufzurufen, Menschen aus China oder Asien nicht zu diskriminieren.

Der Post von „Diet_Prada“ endet denn auch mit den Hashtags #stopasianhate und #antiracism. Etliche, auch prominente Nutzer, machten ihren Unmut gegenüber den Moderatoren deutlich. Der Auftritt sei „inakzeptabel“, sie sollten „sich schämen“, hieß es da. „Ich wünschte, ich wäre überrascht. Leider kratzen wir nur an der Oberfläche des tief verwurzelten Rassismus in der westlichen Gesellschaft“, schrieb die Unternehmerin Tina Chen Craig.

Hunziker reagierte am Mittwoch via Instagram: „Es tut mir wirklich leid und ich entschuldige mich, falls ich jemanden verletzt habe“, sagte die 44-Jährige in einem geposteten Video. „Mir ist klar geworden, dass wir in Zeiten leben, in denen Menschen empfindlich in Bezug auf ihre Rechte reagieren, und ich war so naiv, das nicht bedacht zu haben“, erklärte Hunziker. Sie sei keine Rassistin und wolle Teil einer inklusiven Welt sein.

„Wir alle machen Fehler“, schloss Hunziker in dem Video, das bereits fast eine Million Mal aufgerufen wurde. Die Reaktionen in den Kommentaren sind allerdings nicht sonderlich wohlwollend. „Sollten Sie nicht die Leute erwähnen, die Sie tatsächlich beleidigt haben?“, fragt eine Nutzerin. Andere nahmen ihr die Entschuldigung erst gar nicht ab: Hunziker entschuldige sich nur, weil der öffentliche Druck zu groß wurde.