Jill Biden, 70, gibt sich unverdrossen, nach einem Jahr im Amt als First Lady der USA übt sie sich in Pflichtbewusstsein: „Es ist kein Job, sondern ein Lebensstil, und es ist nichts, was man um 15 oder um 17 Uhr hinter sich lässt. Es ist 24 Stunden pro Tag.“ So erklärte Biden es jetzt in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS. Halten wir fest: ein Lebensstil! Das war so nicht anders zu erwarten, schließlich ist FLOTUS seit nunmehr 44 Jahren mit einem Berufspolitiker verheiratet. Sie kennt also den Job, der kein bloßer Job ist, und erfüllt neben ihrem ordentlichen Beruf als Lehrerin also auch diese Aufgabe mit einigem Pathos.

„Das Unterrichten ist wirklich das, was ich bin“

Daran hat es Biden nie mangeln lassen. Auch jetzt findet sie große, gar feierliche Worte. Zur Corona-Pandemie und ihren auch politisch und sozial verheerenden Folgen in Amerika sagt sie etwa: „Wenn ich helfen kann, diese Nation zu heilen, möchte ich dabei sein, ich möchte dies tun.“ Eine ganze Nation heilen, nicht nur eine Krankheit. Kleiner macht sie es nicht. Nun kann einem so viel Feierlichkeit verdächtig vorkommen. Das scheint auch Biden zu ahnen und ringt sich im Interview zu einem offenherzigen Statement über ihren „Lebensstil“ durch: „Es ist ein bisschen schwieriger, als ich es mir vorgestellt habe.“

Das Amt setzt ihr zu. Auch wenn Joe Biden bereits Senator in Delaware war, als sie ihn 1975 bei einem Blind Date kennenlernte, behielt sie zur Politik immer eine gewisse Distanz. Jill Biden, die promovierte Pädagogin, machte nie einen Hehl daraus, wo ihre wahren Leidenschaften liegen: „Das Unterrichten ist wirklich das, was ich bin; es ist ein Teil meines Lebens … Wenn ich ins Klassenzimmer gehe, akzeptieren mich die Leute als ihre Englischlehrerin. Und das ist ein Geschenk. Das ist ein Geschenk, das sie mir machen.“ Seit 2009 arbeitet sie als Englischprofessorin am Northern Virginia Community College, wo sie Schreiben lehrt.

Es gibt ein Leben jenseits der Politik. Dienstags und donnerstags sind ihre Unterrichtstage, in Pandemiezeiten hat sie aus ihrem Büro im Weißen Haus oder aus Hotelzimmern schon Vorlesungen gehalten, an Bord der Air Force One korrigiert sie bisweilen Arbeiten.