Kate Winslet, 45, empört sich darüber, dass sich queere Kolleginnen und Kollegen in Hollywood immer noch verstecken müssten. In einem Interview mit der Sunday Times beklagt die Oscarpreisträgerin die „Diskriminierung und Homophobie“ und wünscht sich eine „Bewegung im MeToo-Stil“ für LGBT-Menschen. „Ich kann gar nicht sagen, wie viele junge Schauspieler ich kenne – manche schon bekannt, manche am Anfang ihrer Karriere –, die große Angst davor haben, dass ihre Sexualität öffentlich gemacht wird und dass sie dann nicht mehr für Hetero-Rollen engagiert werden … Das ist doch furchtbar.“

Kate Winslet: „Vor allem Männer leiden unter dem Stigma“

Winslet erzählte in dem Interview auch die Geschichte eines bisexuellen Schauspielers, dem sein Agent gesagt habe, er solle besser nicht öffentlich über seine sexuelle Orientierung sprechen. „Ich kenne mindestens vier Schauspieler, die ihre Sexualität tatsächlich verstecken.“ Unter dem „Stigma“ litten nach ihrer Einschätzung vor allem Männer. Sie hoffe, so Winslet, dass es bald normal werde, offen homosexuelle Schauspieler für homosexuelle Rollen auszuwählen. Aktuell sei es jedoch noch so, dass queere Geschichten nur mit „großen Namen“ überhaupt produziert würden.

Die Schauspielerin spricht aus eigener Erfahrung: Winslet, die selbst mit einem Mann verheiratet ist und Kinder hat, spielt in ihrem neuen Film „Ammonite“ eine lesbische Paläontologin. Regie bei dem Liebesdrama, das im August in die deutschen Kinos kommt, führte der offen schwule Regisseur Francis Lee, 52, von dem auch das Drehbuch stammt. Winslet räumt ein, dass sie die Rolle möglicherweise jemandem weggenommen habe. „Aber ich weiß, dass diese Rolle niemand anderem angeboten wurde.“ Und so könne sie immerhin eine „LGBTQ-Geschichte in die Wohnzimmer bringen“.

Schließlich verrät Winslet der Sunday Times noch, dass sie die Dreharbeiten zu „Ammonite“ viel angenehmer fand als zum Beispiel die zu ihrem größten Erfolg – dem Untergangsepos „Titanic“. Der Grund: „Was ich auffallend fand, ist, dass die Leute über die Liebesszenen in ,Ammonite‘ auf eine Weise zu sprechen scheinen, die viel fokussierter ist, weil es zwei Frauen sind … Wir wurden in keiner Weise zum bloßen Objekt gemacht. Dadurch wurde mir klar, dass ich mich in der Vergangenheit zum Objekt gemacht fühlte, ohne es zu wissen. Das hat eine Menge interessanter Gedanken aufgeworfen.“

Die britische Schauspielerin engagiert sich seit jeher politisch. So setzt sie sich seit Jahren für bessere Lebensverhältnisse von sozial schwachen Familien sein, für Aufklärung rund ums Thema Autismus und nimmt immer wieder an Auktionen und Charity-Events teil, um Spenden für verschiedenste Zwecke zu sammeln. Sie arbeitete auch schon mit der Tierschutzorganisation Peta zusammen und war Teil einer Unicef-Kampagne, die es Kindern ermöglichte, mehr über Nachhaltigkeit zu erfahren.