Elon Musk, 49, ist nicht erwünscht. Jedenfalls nicht überall. Der erfolgsverwöhnte Chef des Elektroautobauers Tesla und der Raumfahrtfirma SpaceX ist bekanntlich nicht nur ein sehr umtriebiger Unternehmer, sondern auch ein begnadeter Selbstvermarkter. Sein letzter Stunt war die Ankündigung, am 8. Mai als Gastmoderator bei „Saturday Night Live“ (SNL) aufzutreten: Damit würde der Mann die Bühne von Amerikas bekanntester Sketch-Comedyshow betreten und wäre dort der erste Nicht-Schauspieler seit Donald Trump vor sechs Jahren. Lässig haute Musk sodann diesen Tweet raus: „Wir werden dann mal sehen, wie live SNL wirklich ist.“ Und das kam offenbar nicht gut an.

Musks Auftritt soll „moralisch obszön“ sein?

Einige der regulären Darsteller sind alles andere als glücklich mit Musk. So schrieb der Comedian Bowen Yang in einer Instagram-Story, er habe gehofft, dass Musks Ankündigung „nur ein schlechter Scherz“ sei: „Ich weiß noch nicht einmal, was zur Hölle er mit seinem Tweet eigentlich meint.“ Und seine Kollegin Aidy Bryant veröffentlichte den Screenshot eines Tweets von Bernie Sanders, in dem sich der Politiker über das Reichtumsgefälle in den USA beschwert, ein eindeutiger Hieb gegen Musk, immerhin der drittreichste Mensch der Welt: „Es ist absurd, dass die 50 Reichsten dieses Landes mehr Geld haben als die etwa 165 Millionen Ärmsten. Das ist eine moralische Obszönität.“

Fans der Show versuchen, einen Shitstorm gegen Musks Auftritt entfachen. Und sind dabei wenig zimperlich. Sie werfen ihm unter anderem Falschinformationen über die Corona-Pandemie vor, weil er im März 2020 die Sorge vor dem Virus als „dumm“ bezeichnet und die Prognose herausgegeben hatte, dass es in den USA „kaum mehr als null Fälle“ geben werde. Andere halten Musk für menschenverachtend, weil er in einem Interview einmal gesagt hat, bei seiner Mars-Mission „werden wahrscheinlich ein ganze Menge Menschen sterben“.  Kommentar: „Wie kann man solch einem Typen solch eine legendäre Plattform bei SNL geben? Reicht es nicht, diesen Fehler mit Trump gemacht zu haben?“

Unverwundbar: Musk kann nichts mehr blamieren

Kurzum, ein Milliardär kann, darf, soll nicht lustig sein. Wenn es nun zu einem Auftritt als Comedian kommt, wird Musk nicht nur die Stammbesetzung bei den Sketchen verstärken, sondern auch den Eröffnungsmonolog halten. Das ist die Höchstschwierigkeit: Kann Musk Stand-up-Comedy? In jedem Fall kann er Kleinkunst, wenn man seine bisweilen erratischen Botschaften auf dem Kurznachrichtendienst Twitter dazu zählen möchte. Musk befindet sich nicht zuletzt wegen seiner ungezügelten Lust am schnellen, auch peinlichen, beleidigenden oder schlicht unsinnigen Tweet in einem beneidenswerten, da unverwundbaren Zustand: Weil man ihm alles zutrauen darf, kann ihn nichts mehr blamieren.

Wie auch immer. Musk wird sich zu behaupten wissen, bei Twitter hat er eine große Fangemeinde. Und neben seiner Twitter-Lust kann er auch auf seine Erfahrungen im Film- und Showgeschäft verweisen, man denke nur an seine Gastauftritte bei „Iron Man 2“, „The Big Bang Theory“ und der Animationsserie „Die Simpsons“. Nichts, was der Mann nicht macht: Sogar als Rapper betätigte er sich schon, man denke nur an den knapp zweiminütige Song „RIP Harambe“ von 2019. Apropos Musik: Als musikalischer Gast wird Musk bei SNL die erfahrene Miley Cyrus zur Seite stehen – es ist ihr sechster Auftritt in der Show.