Zunächst lohnt ein Blick auf die nackten Zahlen: US-Model Kendall Jenner hat auf Instagram mehr als 163 Millionen Abonnenten, bei Twitter folgen ihr 31,4 Millionen Menschen. Die 25-Jährige gilt seit 2017 wiederholt als bestbezahltes Model der Welt und bezieht einen Großteil der ihr öffentlich zukommenden Aufmerksamkeit durch ihre Social-Media-Aktivitäten. Auf ihren Kanälen vermarktet die Halbschwester von Kim Kardashian Kosmetikprodukte, Modekollektionen, Schmuck, Schuhe und Handtaschen. 

Social Media ist mithin Teil ihrer überaus erfolgreichen Geschäftsstrategie, der Aufstieg Jenners zum Topmodel ist zweifellos mit ihrem Talent für gelungene Selbstinszenierung verbunden. Als goldrichtig erwies sich etwa ihre Entscheidung, schon vor Jahren nicht auf das etablierte Facebook, sondern stattdessen lieber auf das schnell wachsende Instagram zu setzen. 2017 war Jenner weltweit das Fotomodel mit den meisten Followern auf der Plattform. Sie schreckte aber auch nicht davor zurück, ihren Account zeitweise zu löschen. „Instagram ist ohne sie einfach nicht dasselbe,“ konstatierte die Zeitschrift Marie Claire 2016 geschockt, Millionen Follower seien verwirrt, beobachtete das Magazin People. „Manchmal lösche ich Instagram oder Twitter oder Snapchat für ein paar Tage von meinem Telefon“, verriet Jenner damals in einem Interview. Es ärgere sie, dass einige ihrer Freunde und auch ihre jüngere Schwester Kylie Jenner ihr Telefon einfach nicht aus der Hand legen könnten.

Inzwischen ist Kendall Jenner längst wieder aktiv auf Instagram, hat aber nach eigenem Bekunden selbst genug Schwierigkeiten, ihr Handy auch mal wegzupacken. „Meine Beziehung mit den sozialen Medien ist etwas suchtartig im Moment“, sagte die 25-Jährige jetzt in einem Gespräch der Zeitschrift Vogue. „Das finde ich nicht gut, und ich bin nicht stolz darauf, das zu sagen.“ Sie glaube aber, dass dieses Problem viele Menschen betreffe. 

Die ständigen Blicke aufs Handy und den Computer seien nicht gut für sie, so Jenner. Es sei das erste, was sie morgens tue. „Ich merke, dass, je mehr ich auf den Bildschirm schaue, ich mich zunehmend von meinem eigenen Körper oder dem, was direkt vor mir passiert, abgetrennt fühle.“ Das Gespräch führte Jenner mit Jorge Partida, Psychologe beim Los Angeles County Department of Mental Health. Jenner hatte sich in einer ganzen Interviewreihe zum Thema mentale Gesundheit auch schon mit anderen Experten zusammengesetzt und etwa über Angststörungen in ihrer Kindheit gesprochen.

Dass das Model, das durch die Reality-Show „Keeping Up with the Kardashians“ früh berühmt wurde, ihr Interview über die ungesunden Nebenwirkungen des Internetkonsums und die Sucht nach den Likes auf all ihren Social Media-Kanälen verbreitete, zeigt eigentlich recht schön die ganze Krux der Sache. Aber Jenner ist nicht die einzige, die mit den sozialen Medien hadert. Pamela Anderson hatte sich erst kürzlich von ihren Konten befreit, auch Ed Sheeran nahm schon längere Pausen. Vielleicht auch ein Ansatz für Kendall Jenner? Als sie 2016 ankündigte, eine Auszeit zu brauchen, hielt sie den Entzug jedenfalls gerade mal eine Woche lang aus.