MacKenzie Scott, 51, ist die drittreichste Frau der Welt. In der jährlichen Liste „The World’s Billionaires“ des Magazins Forbes wird die Ex-Frau von Amazon-Chef Jeff Bezos aktuell gleich hinter der französischen Industriellen-Erbin Françoise Bettencourt-Meyers und der US-Unternehmerin Alice Walton (Walmart) geführt. Derzeit beläuft sich das geschätzte Vermögen der als MacKenzie Scott Tuttle in San Francisco geborenen Kalifornierin auf knapp 49 Milliarden Euro.

Scott, die nach der Scheidung von Jeff Bezos im Jahr 2019 den Nachnamen Bezos ablegte und seither ihren bisherigen Mittelnamen trägt, hatte im Februar dieses Jahres angekündigt, mindestens die Hälfte ihres Vermögens spenden zu wollen – vorzugsweise an kleinere, gemeinnützige Organisationen. Den unfassbaren Wohlstand, den die 51-jährige Mutter von vier Kindern zusammen mit ihrem Ex-Mann durch den Aufbau eines der größten Unternehmen der Welt erlangt hat, konnte sie nach der Scheidung noch mehren. Sie behielt 25 Prozent der von ihr und Jeff Bezos gehaltenen Amazon-Aktien und wurde dadurch auf einen Schlag zur Multimilliardärin.

dpa/Jörg Carstensen
Amazon-Chef Jeff Bezos und seine damalige Frau MacKenzie Bezos im Jahr 2018 in Berlin. 

Doch den großen Wohltätigkeits-Ankündigungen lässt die Geschäftsfrau und Autorin auch Taten folgen: Nach eigenen Angaben hat Scott jetzt eine weitere Milliardensumme für gemeinnützige Zwecke gespendet. Rund 2,2 Milliarden Euro gehen an 286 Organisationen, die bislang „historisch unterfinanziert und übersehen worden sind“, wie die 51-Jährige in einer Mitteilung schreibt. Die ausgewählten Einrichtungen setzten sich unter anderem gegen Rassismus oder für Kultur und Bildung ein, es sind auch Theater, Schulen und Museen darunter. Sie seien in einem strengen Recherche- und Analyseprozess ausgewählt worden, so Scott. Die Geldgeschenke seien dazu da, um den Organisationen die Arbeit zu ermöglichen, aber auch „als Signal des Vertrauens und der Ermutigung an sie und andere“. 

Eine der bedachten Einrichtungen ist das Chaffey College in Kalifornien. An der öffentlichen Hochschule, deren Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, sollen jährlich 29.000 Studenten die Vielfalt Südkaliforniens widerspiegeln, heißt es im Selbstbild der Schule. Hier werden viele Latinos, aber auch andere Ethnien ausgebildet. Das College erhielt nach eigenen Angaben von Scott ein „historisches Geschenk in Höhe von 25 Millionen US-Dollar“. Hochschulpräsident Henry Shannon sagte, das College sei von Scotts Großzügigkeit überwältigt: „Die Auswirkungen, die wir hier am Chaffey College und in der gesamten Region erleben werden, werden enorm sein. Wir sind Frau Scott sehr dankbar.“

Ihr Vermögen sei durch Systeme ermöglicht worden, die sich ändern müssen

Scott selber betonte in ihrer Mitteilung, dass sie sich eine Verschiebung der öffentlichen Aufmerksamkeit zugunsten dieser Organisationen wünsche: „Große Spender ins Zentrum der Geschichten über sozialen Fortschritt zu stellen, ist eine Verzerrung ihrer Rolle.“ Ihr eigenes Vermögen sei durch Systeme ermöglicht worden, die geändert werden müssten, erklärte Scott. Sie glaube, „dass es besser wäre, wenn unverhältnismäßiger Reichtum nicht in einer kleinen Anzahl an Händen konzentriert wäre, und dass die Lösungen am besten von anderen entworfen und ausgeführt würden.“

Nach ihrer Scheidung war MacKenzie Scott der Initiative „The Giving Pledge“ beigetreten, deren Unterzeichner sich verpflichten, zu ihren Lebzeiten oder in ihrem Testament mindestens die Hälfte ihres Vermögens gemeinnützigen Zwecken zukommen zu lassen. Die philanthropische Kampagne wurde 2010 von den Milliardären Bill Gates und Warren Buffett gestartet. Buffett selbst hatte bereits versprochen, 99 Prozent seines Vermögens wohltätigen Stiftungen zu spenden, den überwiegenden Teil der Bill & Melinda Gates Foundation, die an ihren Einlagen gemessen die größte Privatstiftung der Welt ist. Zu den Unterzeichnern gehören aber auch Elon Musk, Hasso Plattner, Mark Zuckerberg und eben MacKenzie Scott.

Im vergangenen Juli hatte Scott bereits eine Spende von 1,7 Milliarden Dollar öffentlich gemacht, bis Dezember folgten weitere Spenden von mehr als 4 Milliarden.